Yellow Flags

Auch: psychosoziale Risikofaktoren, gelbe Flaggen

Yellow Flags sind psychosoziale Risikofaktoren, die mit einem erhöhten Risiko für einen langwierigen oder chronischen Schmerzverlauf in Verbindung gebracht werden, etwa Angst-Vermeidungs-Verhalten, Katastrophisieren oder depressive Stimmung.

Yellow Flags sind Hinweise aus dem psychischen und sozialen Bereich, die mit einem ungünstigen, langwierigen Verlauf von Schmerzen zusammenhängen. Sie betreffen Überzeugungen, Gefühle und Verhaltensweisen einer Person sowie ihr soziales Umfeld. Anders als Warnzeichen für ernste körperliche Ursachen signalisieren sie keinen Notfall. Sie markieren ein Risiko für eine Chronifizierung.

Fachliche Einordnung

Das Konzept entstand in der Versorgung von Rückenschmerzen und beruht auf dem biopsychosozialen Verständnis von Schmerz. Die Nationale VersorgungsLeitlinie zum nicht-spezifischen Kreuzschmerz im AWMF-Register führt psychosoziale Risikofaktoren als Bestandteil der Anamnese und empfiehlt, sie früh im Versorgungsverlauf zu beachten; der Gültigkeitsstatus der Leitlinie ist im Register vermerkt. Häufig genannte Beispiele sind:

  • Angst-Vermeidungs-Überzeugungen, etwa die Erwartung, Bewegung schade dem Rücken
  • Katastrophisieren, also die Neigung, Schmerzen als bedrohlich und unbeeinflussbar zu bewerten
  • depressive Stimmung, Niedergeschlagenheit oder anhaltende Belastung durch Stress
  • passive Grundhaltung und die Erwartung, dass allein Behandlung von außen etwas ändert
  • sozialer Rückzug oder belastende Lebensumstände

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

In der Ausbildung verbindet das Thema zwei Fächer der Anlage 1 zur PhysTh-APrV: Psychologie/Pädagogik/Soziologie, in dem unter anderem die Rolle der Therapeutin oder des Therapeuten in der Patientenführung behandelt wird, und Physiotherapeutische Befund- und Untersuchungstechniken. Hintergrundwissen liefert die Schmerzphysiologie. Auszubildende lernen, entsprechende Äußerungen im Gespräch wahrzunehmen, Fragebögen als Screening einzuordnen und die Ergebnisse klar von einer psychologischen Diagnose zu trennen.

Im Berufsalltag fließen Yellow Flags in die Therapieplanung ein. Sie können Anlass sein, Information über Schmerz, aktive Übungsanteile und gemeinsam vereinbarte Ziele stärker zu gewichten. Die Beobachtungen gehören in die Dokumentation. Psychotherapie ist nicht Aufgabe der Physiotherapie; bei deutlichen Hinweisen stimmen sich Therapeutinnen und Therapeuten mit der verordnenden Praxis ab. Eng verwandt ist das Thema mit dem Krankheitsbild chronischer Schmerz.

Abgrenzung

Red Flags weisen auf körperliche Ursachen mit ärztlichem Abklärungsbedarf hin, Yellow Flags auf psychosoziale Einflüsse auf den Verlauf. In der Fachliteratur finden sich weitere Farben: Blue Flags für die Wahrnehmung der Arbeitssituation, Black Flags für äußere Rahmenbedingungen wie Regelungen von Arbeitgebern oder Versicherungen. Die Farbeinteilung ist ein Hilfsmittel für die Befundstruktur und keine Diagnose.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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