Die McKenzie-Methode ist unter der Bezeichnung Mechanische Diagnose und Therapie bekannt, kurz MDT. Kern ist eine standardisierte Untersuchung: Die behandelte Person führt Bewegungen oder Haltungen wiederholt aus, während die Therapeutin oder der Therapeut beobachtet, wie sich Symptome und Beweglichkeit verändern. Aus diesem Symptomverhalten wird eine Klassifikation abgeleitet, die die weitere Behandlung bestimmt.
Grundlagen des Konzepts
Klassisch unterscheidet MDT drei Syndrome: das Derangement-, das Dysfunktions- und das Haltungssyndrom. Ein wichtiger Beobachtungspunkt ist die Zentralisation. Gemeint ist, dass sich Symptome aus Arm oder Bein bei bestimmten Bewegungsrichtungen zur Wirbelsäule hin zurückziehen. Typische Einsatzgebiete sind Rücken- und Nackenbeschwerden, darunter der unspezifische Kreuzschmerz, das Konzept wird aber auch an Extremitätengelenken angewendet.
Charakteristisch ist die Betonung der Selbstbehandlung. Übungen werden so ausgewählt, dass Betroffene sie eigenständig fortführen können. Das Konzept zielt darauf ab, die Abhängigkeit von passiven Maßnahmen gering zu halten; Techniken von außen kommen erst hinzu, wenn aktive Bewegungen nicht ausreichen.
Einordnung im Heilmittelrecht
MDT ist ein Konzept aus der Fachpraxis, keine gesetzlich definierte Maßnahme. Einen eigenen Eintrag im Heilmittelkatalog hat die Methode nicht (Stand September 2026). In der Kassenversorgung kann sie innerhalb verordneter Maßnahmen einfließen, etwa der Allgemeinen Krankengymnastik nach der Heilmittel-Richtlinie des G-BA. Eine Zertifikatsposition im Sinne der Verträge nach § 125 SGB V begründet eine MDT-Qualifikation nicht; an den abrechenbaren Positionen ändert sie deshalb nichts.
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
In der Ausbildung nach der PhysTh-APrV ist MDT kein eigener Prüfungsinhalt. Die Grundlagen liegen in den Physiotherapeutischen Befund- und Untersuchungstechniken, in der Anatomie der Wirbelsäule und im Clinical Reasoning. Das vollständige Konzept erlernen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten nach dem Examen in aufeinander aufbauenden Kursen, die mit einer Prüfung abschließen können.
Zu jeder MDT-Untersuchung gehört die Suche nach Red Flags, also nach Warnzeichen für ernsthafte Ursachen, die eine ärztliche Abklärung erfordern. Die mechanische Klassifikation setzt voraus, dass solche Ursachen ausgeschlossen sind.
Abgrenzung
Von der Manuellen Therapie unterscheidet sich MDT im Ausgangspunkt. Die Manuelle Therapie setzt Mobilisationstechniken der Therapeutin oder des Therapeuten ein und ist eine Zertifikatsposition. MDT beginnt mit Bewegungen, die die behandelte Person selbst ausführt, und ergänzt Techniken von außen erst im weiteren Verlauf. Beide Konzepte lassen sich im Berufsalltag kombinieren.