Traktion (Extensionsbehandlung)

Auch: Extension, Extensionsbehandlung, Traktionsbehandlung

Traktion ist eine Behandlung mit gezieltem Zug an Wirbelsäule oder Gelenken, von Hand oder mit Gerät. Als apparative Traktionsbehandlung ist sie ein ergänzendes Heilmittel nach § 20 der Heilmittel-Richtlinie.

Traktion bezeichnet einen Zug, den Therapeutinnen und Therapeuten entlang der Längsachse eines Gelenks oder der Wirbelsäule ausüben. Er kommt von Hand, über den Schlingentisch oder über ein Extensionsgerät mit einstellbarer Zugkraft. Dosiert wird über Zugstärke, Dauer und den Wechsel zwischen Zug und Pause, bei Geräten wahlweise konstant oder intermittierend. Ziel ist es, Gelenkflächen voneinander zu entfernen und Strukturen zu entlasten.

Verordnungsrahmen

§ 20 der Heilmittel-Richtlinie des G-BA beschreibt die Traktionsbehandlung als gezielten mechanischen, apparativen Zug. Er soll komprimierte Nervenwurzeln und Gelenkstrukturen entlasten und wird ausschließlich als Einzeltherapie verordnet (Stand September 2026). Im Heilmittelkatalog erscheint die Traktion als ergänzendes Heilmittel, also neben einer vorrangigen Maßnahme. Für die apparative Form verlangt die Richtlinie keine Zusatzqualifikation. Manueller Zug an Gelenken gehört dagegen zu den Techniken der Manuellen Therapie. Diese ist eine Zertifikatsposition und setzt nach § 17 Absatz 2 der Richtlinie eine abgeschlossene Weiterbildung voraus.

Bedeutung in der Ausbildung

Anlage 1 der PhysTh-APrV nennt unter den Krankengymnastischen Behandlungstechniken die Behandlung im Schlingengerät als eigenen Unterpunkt, daneben die Manuelle Therapie. Anatomie und Biomechanik liefern das Wissen, welche Gelenkstellung als Ruhestellung gilt und in welche Richtung ein Zug ansetzen muss. An der Wirbelsäule kommt die Lagerung hinzu, die Hals- oder Lendenabschnitt gezielt erreicht. In der praktischen Ausbildung lernen Auszubildende, die Zugkraft schrittweise zu steigern und die Reaktion der behandelten Person laufend abzufragen. Im Schlingentisch lassen sich Körperteile aufhängen und über Seilzüge entlasten; dieselbe Aufhängung dient auch Übungen, bei denen die Schwerkraft weitgehend ausgeschaltet ist.

Abgrenzung

Traktion und Gleitmobilisation werden in der Manuellen Therapie gemeinsam gelehrt, beschreiben aber verschiedene Richtungen. Traktion zieht die Gelenkpartner senkrecht zur Behandlungsebene auseinander, die Gleitmobilisation bewegt sie parallel dazu. Das Gegenstück zur Traktion ist die Kompression, die im Befund genutzt wird, um Beschwerden gezielt zu provozieren. Extension ist der ältere, vor allem an der Wirbelsäule gebräuchliche Name für dieselbe Zugbehandlung.

Vor jeder Zugbehandlung klärt der Befund mögliche Gegenanzeigen, zum Beispiel Instabilitäten, frische Verletzungen oder eine ausgeprägte Osteoporose. Treten unter Zug ausstrahlende Beschwerden in Arm oder Bein auf, wird die Anwendung angepasst oder beendet. Die Extension an Hals- und Lendenwirbelsäule mit Gerät schildert ein ausführlicher Beitrag.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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