Agonist und Antagonist beschreiben das Zusammenspiel von Muskeln an einem Gelenk. Der Agonist, auch Spieler genannt, führt eine bestimmte Bewegung aus. Der Antagonist, der Gegenspieler, liegt auf der anderen Seite der Bewegungsachse und ist für die entgegengesetzte Bewegung zuständig. Die Wörter stammen aus dem Griechischen und bedeuten sinngemäß Wettkämpfer und Gegner.
Das Schaubild zeigt zwei vereinfachte Zeichnungen von Oberarm und Unterarm mit je einem Muskel auf der Vorder- und der Rückseite des Oberarms. Links die Beugung im Ellenbogen: Agonisten sind M. brachialis und M. biceps brachii, Antagonist ist M. triceps brachii. Rechts die Streckung gegen Widerstand: Agonist ist M. triceps brachii, Antagonisten sind die Ellenbogenbeuger. Der jeweils arbeitende Muskel ist farbig gefüllt, ein Bogenpfeil zeigt die Bewegungsrichtung. Die Rollen wechseln also mit der Bewegung.
Grundlagen
Ein Beispiel ist die Beugung im Ellenbogengelenk. Hier arbeiten die Beuger, vor allem der Musculus brachialis und der Musculus biceps brachii, als Agonisten. Der Musculus triceps brachii an der Rückseite des Oberarms ist ihr Antagonist. Bei der Streckung gegen einen Widerstand tauschen die Rollen: Dann ist der Trizeps Agonist, die Beuger sind Antagonisten. Agonist oder Antagonist ist ein Muskel also immer nur in Bezug auf eine bestimmte Bewegung.
Muskeln, die den Agonisten bei derselben Bewegung unterstützen, heißen Synergisten. Muskeln, die ein benachbartes Gelenk oder den Rumpf stabilisieren, damit die Bewegung gezielt ablaufen kann, werden als Fixatoren oder Stabilisatoren bezeichnet. Spannen Agonist und Antagonist gleichzeitig an, spricht man von Kokontraktion; sie sichert ein Gelenk etwa im Stand oder beim Abfangen einer Last.
Physiologisch sorgt die reziproke Hemmung dafür, dass der Antagonist bei einer Anspannung des Agonisten über Verschaltungen im Rückenmark gehemmt wird und nachgibt. Beim langsamen Absenken eines Gewichts arbeiten dagegen die Beuger exzentrisch und bremsen eine Bewegung, die die Schwerkraft vorgibt. Diese Arbeitsweisen ordnet der Eintrag zu den Muskelkontraktionsformen ein.
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
In der Ausbildung nach der PhysTh-APrV verteilt sich das Thema auf mehrere Fächer: Anatomie mit der funktionellen Anatomie des Bewegungssystems, Physiologie mit Muskelphysiologie und motorischen Systemen sowie Bewegungslehre mit Bewegungs- und Haltungsanalysen. Anatomie und Physiologie sind nach § 13 PhysTh-APrV Fächer des mündlichen Teils der staatlichen Prüfung.
Im Befund hilft das Begriffspaar, Beobachtungen zuzuordnen. Ist eine Bewegung eingeschränkt, kommt neben einer Schwäche des Agonisten auch eine verminderte Dehnfähigkeit des Antagonisten in Betracht. Beim Muskelfunktionstest wird darauf geachtet, dass Synergisten die geprüfte Bewegung nicht übernehmen. Ein Ungleichgewicht zwischen Spieler und Gegenspieler ist zunächst eine Beobachtung und kein Krankheitsbild; das Modell dahinter ordnet der Eintrag Muskuläre Dysbalance ein.
Auch in Behandlungskonzepten tauchen die Begriffe auf. In der Propriozeptiven Neuromuskulären Fazilitation tragen Techniken sie im Namen, etwa die Umkehr von Antagonisten.
Abgrenzung
In der Pharmakologie bezeichnen Agonist und Antagonist Wirkstoffe, die an einem Rezeptor eine Wirkung auslösen oder sie blockieren. Mit dem Muskelpaar der Bewegungslehre teilt diese Bedeutung nur den Grundgedanken von Wirkung und Gegenwirkung.