Muskelkontraktionsformen unterscheiden die Arbeitsweise eines Muskels danach, ob er sich unter Spannung verkürzt, seine Länge hält oder gegen Widerstand verlängert wird. Die Begriffe stammen aus der Muskelphysiologie und beschreiben, was bei jeder Bewegung und jeder Haltearbeit geschieht. In der Physiotherapie dienen sie als gemeinsame Sprache für Befund, Übungsbeschreibung und Trainingsplanung.
Die Formen im Überblick
| Form | Länge des Muskels | Beispiel |
|---|---|---|
| Isometrisch | keine äußere Längenänderung | Halten einer Tasche mit gebeugtem Ellenbogen |
| Konzentrisch | verkürzt sich unter Spannung | Aufstehen vom Stuhl, die Kniestrecker arbeiten verkürzend |
| Exzentrisch | verlängert sich unter Spannung | Hinsetzen, die Kniestrecker bremsen die Bewegung |
Konzentrische und exzentrische Arbeit werden als dynamisch, isometrische Arbeit als statisch bezeichnet. Als auxotonisch gilt eine Kontraktion, bei der sich Spannung und Länge zugleich ändern, wie es für Alltagsbewegungen typisch ist. Isokinetisch heißt eine Bewegung mit gleichbleibender Winkelgeschwindigkeit, die sich nur mit speziellen Geräten erzeugen lässt. Lehrbücher der Muskelphysiologie beschreiben zudem, dass ein Muskel bei exzentrischer Arbeit höhere Kräfte aufnehmen kann als bei konzentrischer.
Bedeutung in der Ausbildung
Die Anlage 1 zur PhysTh-APrV nennt Muskelphysiologie als Inhalt des Fachs Physiologie. In Bewegungslehre und Trainingslehre werden die Kontraktionsformen auf Bewegungsabläufe übertragen: Auszubildende analysieren, welche Muskelgruppe bei einer Bewegung verkürzend, haltend oder bremsend arbeitet, und wie sich das durch Ausgangsstellung und Schwerkraft ändert. Bewegungslehre und Trainingslehre gehören nach § 12 PhysTh-APrV zu den Fächern des schriftlichen Prüfungsteils.
Ein klassisches Beispiel aus dem Unterricht ist das Absenken des gestreckten Arms im Stand. Hier bremsen die Muskeln, die den Arm heben, die Bewegung exzentrisch ab, während die Muskeln auf der Gegenseite kaum beteiligt sind, obwohl die Bewegung in ihre Richtung geht. Solche Analysen schützen vor Fehlschlüssen bei der Auswahl von Übungen.
Bedeutung im Berufsalltag
Im Befund hilft die Unterscheidung, Beschwerden genauer zu beschreiben, etwa wenn Schmerzen vor allem beim Abbremsen einer Bewegung auftreten. In der Krankengymnastik und der Medizinischen Trainingstherapie legen Therapeutinnen und Therapeuten fest, welche Arbeitsweise eine Übung betont, und halten das in der Dokumentation fest. Rein haltende Übungen kommen zum Beispiel in Betracht, wenn Bewegung in einem Gelenk nach ärztlicher Vorgabe begrenzt ist, etwa in frühen Phasen nach einer Operation.
Auch die Belastungssteuerung nutzt die Begriffe. Ob eine Übung konzentrisch, exzentrisch oder isometrisch ausgeführt wird, verändert die Beanspruchung von Muskel und Sehne und wird deshalb mit Wiederholungszahl, Tempo und Widerstand zusammen geplant.