Physiologie untersucht, wie der Körper arbeitet: wie Nerven Signale weiterleiten, wie Muskeln Kraft entwickeln und wie Herz, Kreislauf und Atmung den Organismus versorgen. Während die Anatomie den Bau beschreibt, fragt die Physiologie nach Abläufen und Regelkreisen. Für die Physiotherapie ist vor allem relevant, wie sich diese Funktionen in Ruhe, unter Belastung und bei Erkrankung verändern.
Einordnung in der Ausbildung
Die Stundentafel der Anlage 1 zur PhysTh-APrV weist Physiologie als eigenes Fach aus. Genannt werden dort Grundlagen der Zellphysiologie, Nerven- und Sinnesphysiologie, Muskelphysiologie, Herz-, Blut- und Gefäßphysiologie, die Physiologie des Respirationssystems und das Zusammenwirken der Systeme. Nach § 13 PhysTh-APrV gehört Physiologie zu den drei Fächern, die im mündlichen Prüfungsteil abgefragt werden.
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
Mehrere Fächer der Ausbildung setzen physiologisches Wissen voraus. Die Trainingslehre baut auf dem Verständnis auf, wie sich Muskulatur und Herz-Kreislauf-System an wiederholte Belastung anpassen. Die Atemtherapie stützt sich auf Kenntnisse über Atemmechanik und Gasaustausch, die Elektrotherapie auf die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln.
Im Berufsalltag bildet das Fach die Grundlage, um Belastung zu dosieren und Reaktionen während einer Behandlung einzuordnen. Puls, Blutdruck, Atemfrequenz oder das subjektive Belastungsempfinden werden in Befund und Verlaufskontrolle erfasst; die Physiologie erklärt, was diese Messgrößen abbilden. Grenzwerte und Abbruchkriterien ergeben sich aus Leitlinien und ärztlichen Vorgaben für die jeweilige Person.
Einen eigenen Stellenwert hat die Schmerzphysiologie. Sie beschreibt, wie Schmerzreize im Nervensystem weitergeleitet und verarbeitet werden, und prägt damit das Verständnis akuter und anhaltender Beschwerden.
Teilgebiete mit Therapiebezug
| Teilgebiet | Bezug in der Physiotherapie |
|---|---|
| Muskelphysiologie | Kontraktionsformen, Kraft- und Ausdauertraining |
| Nerven- und Sinnesphysiologie | Tiefensensibilität, Sensibilitätsprüfung, Muskeltonus |
| Herz- und Kreislaufphysiologie | Belastungsdosierung, Training bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen |
| Atmungsphysiologie | Atemtherapie, Behandlung bei Lungenerkrankungen |
Im Unterricht verbinden sich diese Teilgebiete mit der speziellen Krankheitslehre: Wer weiß, wie ein System im Normalfall funktioniert, kann Abweichungen im Befund beschreiben und in die Therapieplanung übertragen.
Abgrenzung
Die Physiologie beschreibt die gesunden Funktionen, die Pathophysiologie ihre Veränderungen bei Krankheit. In der Ausbildung gehört Letztere zur allgemeinen und speziellen Krankheitslehre. Die Trainingslehre wiederum wendet physiologisches Wissen auf die Planung von Belastung an; sie ist ein eigenes Fach und nach § 12 PhysTh-APrV Teil einer Fächergruppe im schriftlichen Prüfungsteil. Ein Beispiel für die Verbindung beider Blickwinkel ist die Anpassung von Puls und Atmung zu Beginn einer Belastung und ihr Absinken danach: Die Physiologie erklärt den Mechanismus, die Trainingslehre nutzt ihn zur Steuerung.