Medizinische Trainingstherapie, kurz MTT, ist ein Therapiekonzept, das Übungen an Trainingsgeräten, mit Kleingeräten und mit dem eigenen Körpergewicht nach den Regeln der Trainingswissenschaft plant. Belastung, Wiederholungen und Pausen werden festgelegt, dokumentiert und dem Verlauf angepasst. MTT zielt darauf ab, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination schrittweise aufzubauen, abgestimmt auf Befund und Belastbarkeit.
Einordnung
In der Berufsausbildung ist MTT fest verankert. Anlage 1 der PhysTh-APrV führt die Medizinische Trainingstherapie als Unterpunkt der Krankengymnastischen Behandlungstechniken. Das eigenständige Fach Trainingslehre mit Beanspruchungsformen, Aufbau und Prinzipien des Trainings liefert das Fundament dazu.
Im Heilmittelkatalog der Heilmittel-Richtlinie ist MTT dagegen keine eigene Position. Die gesetzlichen Krankenkassen bilden gerätegestütztes Training über die Zertifikatsposition Krankengymnastik am Gerät ab. MTT selbst findet sich vor allem in der medizinischen Rehabilitation, im Heilverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung sowie in Präventions- und Selbstzahlerangeboten. Umfang und Rahmen richten sich dort nach dem jeweiligen Kostenträger.
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
In der Ausbildung lernen Schülerinnen und Schüler, Trainingspläne aufzustellen, Übungen anzuleiten und die Ausführung zu korrigieren. Die Grundlagen reichen von den Beanspruchungsformen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination bis zum Transfer in Prävention und Rehabilitation. Gesteuert wird ein Trainingsprogramm über die Belastungsgrößen der Trainingslehre:
- Intensität, etwa Gewicht oder Widerstand
- Umfang, also Wiederholungen und Serien
- Dichte, das Verhältnis von Belastung und Pause
- Dauer einer Einheit und Häufigkeit pro Woche
Im Berufsalltag verbindet MTT physiotherapeutische Befunderhebung mit Trainingssteuerung. Therapeutinnen und Therapeuten klären vorab Belastungsgrenzen und Kontraindikationen, legen Ziele fest und passen den Plan an Reaktionen und Fortschritt an. Ausgangswerte aus Kraft-, Ausdauer- oder Beweglichkeitstests machen den Verlauf nachvollziehbar und bilden die Grundlage für jede Anpassung. Koordinative Elemente aus dem sensomotorischen Training können das Programm ergänzen. Arbeitsfelder sind Rehabilitationseinrichtungen, Praxen mit Trainingsfläche, der Sport und die betriebliche Gesundheitsförderung.
Abgrenzung zur KGG
MTT und KGG werden oft gleichgesetzt, haben aber einen unterschiedlichen Status. KGG ist ein Heilmittel mit ärztlicher Verordnung, Zertifikatspflicht und festgelegtem Leistungsinhalt, bei dem eine Fachkraft bis zu drei Personen parallel betreut. MTT ist ein fachliches Konzept ohne eigene Kassenposition. Inhaltlich überschneiden sich beide stark, denn auch KGG folgt den Grundsätzen der Trainingslehre.