Die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation, kurz PNF, ist ein physiotherapeutisches Behandlungskonzept, das mit dreidimensionalen, diagonal-spiraligen Bewegungsmustern arbeitet. Fazilitation bedeutet Bahnung, propriozeptiv bezieht sich auf die Rezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken, neuromuskulär auf das Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur. Therapeutinnen und Therapeuten setzen Reize über Handkontakt, Widerstand, Stellung und verbale Anleitung, um Bewegungen im Zusammenspiel von Nerv und Muskel anzubahnen.
Rahmen in Ausbildung und Verordnung
PNF ist Lehrinhalt der Berufsausbildung. Anlage 1 der PhysTh-APrV nennt die Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation an erster Stelle der neurophysiologischen Behandlungsverfahren. Die Muster für Arm, Bein, Schulterblatt, Becken, Rumpf und Kopf werden deshalb bereits im praktischen Unterricht geübt. Inhaltlich knüpft PNF an Muskelphysiologie sowie Nerven- und Sinnesphysiologie an. Weil das Konzept im Fach Krankengymnastische Behandlungstechniken verortet ist, kann es auch in der praktischen Prüfung nach § 14 PhysTh-APrV eine Rolle spielen, in der Prüflinge mindestens drei Techniken dieses Fachs am Probanden vorführen.
Als Kassenleistung ist PNF bei Erwachsenen über die Position KG-ZNS abrechenbar. Voraussetzung sind eine anerkannte PNF-Weiterbildung mit Abschlussprüfung und die Abrechnungserlaubnis der Landesorganisationen der Krankenkassen. Für Kinder und Jugendliche sieht die Leistungsbeschreibung in dieser Position nur Bobath und Vojta vor. Als Schädigungen bei Erwachsenen nennt sie unter anderem Lähmungen nach Schädigung von Gehirn oder Rückenmark, Koordinationsstörungen und komplexe periphere Lähmungen wie Plexuslähmungen. Ob PNF als KG-ZNS abgerechnet wird, hängt an der ärztlichen Verordnung dieser Position.
Bedeutung für die Praxis
Eingesetzt wird PNF unter anderem in der Neurologie, etwa nach Schlaganfall, sowie in Orthopädie, Traumatologie und Sportphysiotherapie. Außerhalb der Zertifikatsposition können PNF-Elemente in die normale Krankengymnastik einfließen. Aus dem Befund leiten Therapeutinnen und Therapeuten Ziele auf der Ebene alltäglicher Aktivitäten ab, etwa Aufstehen, Greifen oder Treppensteigen, und üben die Muster auf der Matte, im Sitz, im Stand oder beim Gehen. Im Sport sind PNF-Prinzipien zudem als Anspannungs-Entspannungs-Dehnung bekannt. Typische Bausteine sind:
- Bewegungsmuster in Diagonalen mit Rotationsanteil
- dosierter Widerstand, Stretch, Traktion und Approximation
- Techniken wie rhythmische Stabilisation oder die Kombination isotonischer Kontraktionen
- verbale und visuelle Anleitung
Abgrenzung
PNF und Propriozeption sind nicht gleichbedeutend. Propriozeption bezeichnet die Tiefenwahrnehmung, PNF ein Behandlungskonzept, das diese Wahrnehmung gezielt nutzt. Einzelne Techniken mit Beispielen stellt ein ausführlicher Beitrag vor.