Das Bobath-Konzept ist ein Behandlungskonzept für Menschen, deren Haltung, Muskeltonus und Bewegung nach einer Schädigung des zentralen Nervensystems gestört sind. Es wird bei Erwachsenen und bei Kindern angewendet. Neben der Physiotherapie arbeiten auch Pflege und Ergotherapie mit dem Konzept. Grundlage jeder Behandlung ist ein Befund, der Tonus, Haltungskontrolle und die Qualität von Bewegungen erfasst.
Einordnung in Ausbildung und Verordnung
In der Ausbildung ist Bobath Pflichtstoff. Anlage 1 der PhysTh-APrV führt die Behandlung nach Bobath unter den neurophysiologischen Behandlungsverfahren im Fach Krankengymnastische Behandlungstechniken. Der Unterricht vermittelt Grundprinzipien, etwa die Beobachtung von Haltungskontrolle, Gleichgewicht und Bewegungsübergängen. Vertieft wird das Wissen in der Methodischen Anwendung der Physiotherapie in den Fachgebieten Neurologie und Pädiatrie; beide Bereiche sind auch als Einsatzorte der praktischen Ausbildung vorgesehen.
In der gesetzlichen Krankenversicherung läuft eine Bobath-Behandlung über die Position KG-ZNS nach der Heilmittel-Richtlinie des G-BA. Voraussetzung sind eine anerkannte Bobath-Weiterbildung und die Abrechnungserlaubnis der Krankenkassen. Für Patientinnen und Patienten unter 18 Jahren gibt es eine eigene Kinderposition mit gesonderter, umfangreicherer Weiterbildung.
Bedeutung im Berufsalltag
Die Behandlung zielt darauf ab, Bewegungsabläufe dort anzubahnen, wo sie im Alltag gebraucht werden: beim Aufstehen, beim Transfer vom Bett in den Stuhl, beim Sitzen und Gehen. Therapeutinnen und Therapeuten gestalten Lagerung und Umgebung mit und leiten Angehörige sowie Pflegekräfte im Handling an. Weil das Konzept den ganzen Tagesablauf einbezieht, reicht es über die einzelne Therapieeinheit hinaus: Lagerung im Bett, Hilfe beim Anziehen oder die Einstellung des Rollstuhls werden im Team abgestimmt. Eingesetzt wird das Konzept unter anderem nach einem Schlaganfall, nach Schädel-Hirn-Verletzungen und bei Kindern mit zentralen Bewegungsstörungen. Ob eine Behandlung als KG-ZNS verordnet wird, legt die Ärztin oder der Arzt fest.
Arbeitsorte sind neurologische Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen und Praxen mit neurologischem oder pädiatrischem Schwerpunkt.
Abgrenzung
Bobath ist ein Konzept und keine feste Grifffolge. Anders als die Vojta-Therapie arbeitet es nicht mit definierten Auslösezonen, sondern mit Bewegungsangeboten, die an Alltagssituationen anknüpfen. Mit der PNF teilt es die neurophysiologische Grundlage, doch PNF gibt feste diagonale Bewegungsmuster vor, während Bobath die Bewegung aus der jeweiligen Alltagsaufgabe ableitet. Geschichte und Grundprinzipien des Konzepts beschreibt ein ausführlicher Beitrag auf physiotherapie.net.