Ein Schlaganfall, medizinisch Apoplex oder Insult, ist eine akut einsetzende Störung der Hirndurchblutung. Meist verschließt ein Gerinnsel ein hirnversorgendes Gefäß (ischämischer Schlaganfall oder Hirninfarkt), seltener blutet ein Gefäß in das Hirngewebe ein (hämorrhagischer Schlaganfall). Je nach betroffenem Areal entstehen Lähmungen, häufig einer Körperseite, sowie Störungen von Gefühl, Sprache, Schlucken, Sehen oder Wahrnehmung. Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall; Diagnostik und Akuttherapie liegen in ärztlicher Hand.
Einordnung im Heilmittelkatalog
Der Heilmittelkatalog führt zerebrale Ischämie und Blutung als Beispiele der Diagnosegruppe ZN (ZNS-Erkrankungen einschließlich des Rückenmarks, neuromuskuläre Erkrankungen). Als Leitsymptomatik nennt er Störungen der Willkürbewegung, der posturalen Kontrolle, der Muskelkraft, etwa bei Hemiparese, und des Muskeltonus, etwa bei spastischer Tonuserhöhung. Vorrangige Heilmittel sind Krankengymnastik und die KG-ZNS. Diese beschreibt der Katalog als Behandlung mit neurophysiologischen Techniken und nennt dabei das Bobath-Konzept, die Vojta-Therapie und PNF. Ergänzend kommen unter anderem Elektrotherapie und Elektrostimulation in Betracht (Heilmittel-Richtlinie des G-BA, Stand September 2026). Für die ambulante Versorgung gilt § 32 SGB V, für die Rehabilitation das SGB IX.
Rolle der Physiotherapie in der Rehabilitation
Physiotherapie begleitet die Versorgung nach einem Schlaganfall von der Frühphase im Krankenhaus über die neurologische Rehabilitation bis zur ambulanten Weiterbehandlung. Die neurologische Rehabilitation wird in Deutschland in Phasen eingeteilt, die sich am Grad der Selbstständigkeit orientieren. Physiotherapeutische Schwerpunkte sind Lagerung und Transfers, Rumpfkontrolle, Gleichgewicht, Gangschule sowie Arm- und Handfunktion. Die Behandlung zielt darauf ab, Aktivitäten des Alltags und Teilhabe zu unterstützen, und wird mit Ergotherapie, Logopädie, Pflege und Ärzteschaft abgestimmt.
Bedeutung für die Ausbildung
Nach Anlage 1 der PhysTh-APrV gehört der Schlaganfall zur Neurologie in der Speziellen Krankheitslehre und zur methodischen Anwendung der Physiotherapie in Neurologie und Neurochirurgie. Grundlagen vermittelt außerdem der Unterpunkt Neurophysiologische Behandlungsverfahren im Fach Krankengymnastische Behandlungstechniken; die praktische Ausbildung sieht einen Einsatz in der Neurologie vor. Auszubildende lernen, Tonus, Sensibilität, Gleichgewicht und Gang zu befunden, Spastik von anderen Tonusveränderungen zu unterscheiden und standardisierte Assessments einzusetzen. Wer KG-ZNS nach dem Examen abrechnen möchte, braucht eine anerkannte Weiterbildung, etwa im Bobath-Konzept.
Abgrenzung
Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) zeigt ähnliche Symptome, die sich jedoch vollständig zurückbilden; sie gilt als Warnsignal und wird ebenfalls ärztlich abgeklärt. Vom Schädel-Hirn-Trauma unterscheidet sich der Schlaganfall durch die Ursache, auch wenn der Heilmittelkatalog beide der Diagnosegruppe ZN zuordnet.