Gangschule ist das gezielte Üben des Gehens unter physiotherapeutischer Anleitung. Dazu gehören das Einüben einzelner Gangphasen, das Gehen mit Gehhilfen wie Unterarmgehstützen oder Rollator und die Übertragung auf Treppen, Rampen, unebenen Untergrund und Alltagswege. Die Übungen zielen auf ein möglichst sicheres Gehen, das die ärztlich festgelegte Belastbarkeit einhält.
Grundlagen in der Ausbildung
Die PhysTh-APrV nennt Gangschulung in Anlage 1 ausdrücklich als Unterpunkt des Fachs Krankengymnastische Behandlungstechniken. Fachliche Voraussetzung ist die Ganganalyse: Auszubildende lernen, Stand- und Schwungphase, Schrittlänge, Spurbreite und Rumpfbewegung zu beobachten und Abweichungen zu beschreiben. Daraus leiten sie ab, welche Komponente geübt wird, etwa die Gewichtsübernahme, das Abrollen des Fußes oder der Armpendel. Anpassen, Einstellen und Handhaben von Gehhilfen gehören ebenso zum Unterrichtsstoff wie die Sicherung der gehenden Person durch die Therapeutin oder den Therapeuten.
Verordnung und Einsatzfelder
Ein eigenständiges Heilmittel Gangschule gibt es nicht. Sie ist Inhalt der Krankengymnastik und bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems auch der KG-ZNS, die nach der Heilmittel-Richtlinie des G-BA verordnet werden; den Anspruch auf Heilmittel regelt § 32 SGB V (Stand September 2026). Typische Einsatzfelder sind die Zeit nach Frakturen, nach dem Einsetzen einer Endoprothese an Hüfte oder Knie, neurologische Krankheitsbilder mit Gangstörungen und die Geriatrie. Die Vorgabe, ob ein Bein voll, teilweise oder gar nicht belastet werden darf, stammt aus der ärztlichen Anordnung. Die Physiotherapie setzt sie in eine passende Gangart um. Bei neurologischen Gangstörungen kommen Hinweisreize wie Rhythmus oder Bodenmarkierungen hinzu, in der Geriatrie stehen das sichere Wenden und das Gehen mit dem Rollator im Vordergrund.
Gangarten mit Unterarmgehstützen
- Drei-Punkte-Gang: Beide Stützen und das betroffene Bein werden gemeinsam vorgesetzt, eingesetzt bei Ent- oder Teilbelastung.
- Vier-Punkte-Gang: Stützen und Beine bewegen sich einzeln im Wechsel; die Gangart ist langsam und bietet viel Stabilität.
- Zwei-Punkte-Gang: Eine Stütze und das gegenüberliegende Bein bewegen sich gleichzeitig, das Muster liegt nah am gewohnten Gehen.
- Treppengehen: Für Auf- und Abstieg gilt jeweils eine festgelegte Reihenfolge von Stützen und Beinen.
Abgrenzung
Die Ganganalyse beschreibt und bewertet das Gehen, die Gangschule übt es. Gerätegestütztes Gangtraining auf dem Laufband, mit Gewichtsentlastung oder mit robotischen Systemen ist eine eigene Form, die vor allem in Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen angeboten wird. Von der Sturzprophylaxe unterscheidet sich die Gangschule durch ihren engeren Fokus: Sie arbeitet am Bewegungsmuster Gehen, während die Sturzprophylaxe weitere Risikofaktoren wie Umgebung, Sehen oder Medikation einbezieht.