Ergonomie beschäftigt sich damit, Arbeit, Arbeitsmittel und Umgebung so zu gestalten, dass sie zu den körperlichen und geistigen Voraussetzungen der Menschen passen. Der Begriff stammt aus der Arbeitswissenschaft. In der Physiotherapie hat Ergonomie zwei Seiten: die Beratung von Patientinnen, Patienten und Betrieben zu Haltung, Bewegung und Belastung und die eigene Arbeitsweise in einem körperlich fordernden Beruf.
Einordnung
Für die Gestaltung von Arbeitsplätzen sind im Arbeitsschutz die Arbeitgeber verantwortlich. Nach § 5 ArbSchG beurteilen sie die Gefährdungen, die sich unter anderem aus der Gestaltung von Arbeitsstätte und Arbeitsplatz ergeben, und leiten daraus Schutzmaßnahmen ab. Beraten werden sie von Betriebsärztinnen, Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit. Physiotherapeutische Beratung ergänzt diese Zuständigkeiten, ersetzt sie aber nicht. Ein typischer Zugang ist die betriebliche Gesundheitsförderung nach § 20b SGB V.
Der Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbands in der Fassung vom 17. Dezember 2025 nennt Anregungen für eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung als Inhalt von Bewegungsprogrammen. Für Betriebe beschreibt er multifaktorielle Programme als wirksam, die ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz, Änderungen der Arbeitsorganisation und Angebote zum Verhalten kombinieren. Rein edukative Maßnahmen, die nur Wissen vermitteln, bewertet er als ineffektiv.
Bedeutung in der Ausbildung
Die PhysTh-APrV führt in Anlage 1 im Fach Angewandte Physik und Biomechanik, das 40 Stunden umfasst, den Unterpunkt Biomechanik und Ergonomie. Dazu kommen Bewegungs- und Haltungsanalysen in der Bewegungslehre, Arbeitsmedizin in der Speziellen Krankheitslehre und in der methodischen Anwendung sowie Unfallverhütung und Arbeitsschutz in der Berufs-, Gesetzes- und Staatskunde. Auszubildende lernen, Belastungen beim Heben, Tragen, Sitzen und Stehen mit den Mitteln der Biomechanik zu beschreiben und Arbeitsabläufe zu beobachten.
Bedeutung im Berufsalltag
In der Behandlung wird Ergonomie zum Beratungsinhalt, wenn Beschwerden mit Tätigkeiten in Beruf oder Haushalt zusammenhängen. Therapeutinnen und Therapeuten fragen nach Arbeitshaltung, Arbeitsmitteln und Pausen, beobachten typische Bewegungsabläufe und besprechen Anpassungen, etwa an Sitzhöhe, Bildschirmposition oder Hebetechnik. In der betrieblichen Gesundheitsförderung kommen Arbeitsplatzbegehungen, Kurzpausenprogramme und Gruppenangebote wie die Rückenschule hinzu. Für Haushalt und Alltag älterer Menschen wird auch von Alltagsergonomie gesprochen.
Ergonomie betrifft auch die eigene Gesundheit. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten viel im Stehen, gebeugt über der Behandlungsbank und beim Transfer von Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Höhenverstellbare Liegen, eine Arbeitshaltung mit Einsatz der Beine, Hilfsmittel beim Transfer und der Wechsel zwischen Behandlungsformen sind deshalb schon in der praktischen Ausbildung Thema.
Abgrenzung
Ergonomie setzt bei den Verhältnissen an, also bei Arbeitsplatz, Arbeitsmitteln und Abläufen. Haltungs- und Bewegungsschulung setzt beim Verhalten des einzelnen Menschen an; die Prävention unterscheidet deshalb Verhältnis- und Verhaltensprävention. Eine physiotherapeutische Arbeitsplatzberatung ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz und keine arbeitsmedizinische Vorsorge.