Multiple Sklerose (MS)

Auch: MS, Encephalomyelitis disseminata

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der Markscheiden in Gehirn und Rückenmark geschädigt werden. Im Heilmittelkatalog gehört sie zur Diagnosegruppe ZN.

Multiple Sklerose (MS), auch Encephalomyelitis disseminata genannt, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Das körpereigene Immunsystem richtet sich gegen die Markscheiden der Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark; an wechselnden Stellen entstehen Entzündungsherde, die die Reizleitung stören. Die Symptome hängen vom Ort der Herde ab. Sie reichen von Seh- und Gefühlsstörungen über Lähmungen, Spastik und Gleichgewichtsstörungen bis zu Blasenstörungen und einer ausgeprägten Erschöpfbarkeit, der Fatigue.

Verlaufsformen

  • schubförmig-remittierend: Schübe mit neuen oder verstärkten Symptomen, die sich ganz oder teilweise zurückbilden
  • sekundär progredient: nach einer schubförmigen Phase schleichende Zunahme der Beeinträchtigungen
  • primär progredient: von Beginn an schleichend fortschreitender Verlauf

Einordnung in der Heilmittelversorgung

Der Heilmittelkatalog nennt die Multiple Sklerose als Beispiel der Diagnosegruppe ZN. Vorrangige Heilmittel sind dort Krankengymnastik, auch im Bewegungsbad, und die KG-ZNS. Treten Blasen- oder Darmstörungen auf, kommt die Diagnosegruppe SO2 für Störungen der Ausscheidung in Betracht, die ausdrücklich auch Erkrankungen des zentralen Nervensystems und des Rückenmarks als Ursache aufführt; dort ist Beckenbodentraining ein typischer Inhalt. Ob ein langfristiger Heilmittelbedarf nach § 32 Absatz 1a SGB V vorliegt, regelt Anlage 2 der Heilmittel-Richtlinie des G-BA (Stand September 2026).

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

In der Ausbildung gehört die MS zur Neurologie in der Speziellen Krankheitslehre und in der methodischen Anwendung der Physiotherapie nach Anlage 1 der PhysTh-APrV. Weil sich Symptome und Belastbarkeit von Person zu Person und im Verlauf stark unterscheiden, orientiert sich die Behandlung am aktuellen Befund statt an einem festen Schema. Auszubildende lernen, Spastik, Ataxie, Schwäche und Fatigue auseinanderzuhalten und Übungen mit Pausen zu dosieren. Wärme kann Symptome vorübergehend verstärken, was bei der Planung von Bewegungsbad und Wärmeanwendungen zu berücksichtigen ist. Während eines akuten Schubs wird die Belastung mit der behandelnden Neurologie abgestimmt.

Im Berufsalltag begleiten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten Menschen mit MS oft über lange Zeiträume. Dazu gehören die Beratung zu Gehhilfen und Orthesen sowie die Zusammenarbeit mit Ergotherapie, Logopädie und Neurologie.

Abgrenzung

Multiple Sklerose ist keine Muskelerkrankung; betroffen sind die Nervenbahnen im zentralen Nervensystem. Von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson unterscheidet sie sich durch den entzündlichen Ursprung und den häufig schubförmigen Beginn.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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