Schroth-Therapie

Auch: Schroth-Methode, dreidimensionale Skoliosetherapie

Die Schroth-Therapie ist ein physiotherapeutisches Übungskonzept für Menschen mit Skoliose. Sie verbindet dreidimensionale Haltungskorrektur, gelenkte Atmung und Muskelspannung und zielt auf eine aktive Aufrichtung der Wirbelsäule.

Die Schroth-Therapie ist ein in Deutschland entstandenes Übungskonzept für Menschen mit Skoliose. Sie betrachtet die seitliche Verkrümmung mit gleichzeitiger Verdrehung der Wirbelsäule als dreidimensionale Fehlstellung und setzt ebenso dreidimensionale Korrekturen dagegen. Übungen verbinden Haltungskorrektur, eine gezielt in bestimmte Rumpfabschnitte gelenkte Atmung und die Spannung der Rumpfmuskulatur.

Prinzipien des Konzepts

Das Konzept teilt den Rumpf gedanklich in übereinanderliegende Blöcke, die bei einer Skoliose gegeneinander verschoben und verdreht sind. Die Übungen sollen diese Blöcke aktiv in eine korrigierte Stellung bringen. Ein Baustein ist die Drehwinkelatmung: Die Atmung wird bewusst in eingesunkene Bereiche des Brustkorbs gelenkt. Spiegel, Lagerungen und Hilfsmittel wie Keile oder Sprossenwand dienen dazu, die Korrektur sichtbar und spürbar zu machen.

Einordnung und Verordnung

Im Heilmittelkatalog hat die Schroth-Therapie keine eigene Position (Stand September 2026). Ambulant findet sie im Rahmen der Allgemeinen Krankengymnastik nach der Heilmittel-Richtlinie des G-BA statt; Grundlage des Leistungsanspruchs ist § 32 SGB V. Verordnet wird also eine Maßnahme zu einer Diagnose, nicht ein bestimmtes Konzept. Welche Technik innerhalb der Krankengymnastik zum Einsatz kommt, legt die Therapeutin oder der Therapeut nach Befund fest. Daneben bieten Rehabilitationseinrichtungen das Konzept als Intensivprogramm an.

Eingesetzt wird die Methode bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Skoliose, auch begleitend zu einer Korsettversorgung. Das Korsett selbst ist ein Hilfsmittel und wird gesondert ärztlich verordnet.

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

Die Ausbildung nach der PhysTh-APrV vermittelt die Grundlagen, auf denen das Konzept aufbaut: Anatomie und Biomechanik der Wirbelsäule, Bewegungs- und Haltungsanalysen im Fach Bewegungslehre und die Atemtherapie als Teil der Krankengymnastischen Behandlungstechniken. Die Methode selbst erlernen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in einer Weiterbildung nach dem Examen.

Zum Berufsalltag gehören ein Befund mit Messungen und Fotodokumentation, ein Übungsprogramm für zu Hause und die Abstimmung mit Orthopädie und Orthopädietechnik. Bei Kindern und Jugendlichen kommt die Anleitung der Eltern hinzu, weil die Übungen regelmäßig im Alltag stattfinden sollen.

Abgrenzung

Die Schroth-Therapie ist ein Übungsverfahren. Über Korsett und Operation entscheidet die Ärztin oder der Arzt, nicht die Physiotherapie. Neben diesem Konzept gibt es weitere skoliosespezifische Übungsansätze; als Oberbegriff hat sich die Bezeichnung physiotherapeutische skoliosespezifische Übungen etabliert.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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