Skoliose bezeichnet eine dreidimensionale Verformung der Wirbelsäule. Die Wirbelsäule weicht seitlich von der Mittellinie ab, gleichzeitig sind die Wirbelkörper gegeneinander verdreht. Diese Rotation macht sich am Rumpf als Rippenbuckel oder Lendenwulst bemerkbar. Überwiegend handelt es sich um idiopathische Skoliosen ohne bekannte Ursache, die sich im Wachstumsalter entwickeln. Daneben gibt es angeborene Formen sowie Skoliosen infolge neurologischer oder muskulärer Erkrankungen.
Einordnung und Verordnung
Der Heilmittelkatalog nennt Skoliosen und Kyphosen ohne und mit Korsettversorgung ausdrücklich als Beispiel der Diagnosegruppe WS (Wirbelsäulenerkrankungen). Vorrangige Heilmittel sind dort unter anderem Krankengymnastik, auch im Bewegungsbad, und Übungsbehandlung (Heilmittel-Richtlinie des G-BA, Stand September 2026). Die Schroth-Therapie und andere skoliosespezifische Konzepte haben keine eigene Heilmittelposition; sie werden innerhalb der verordneten Krankengymnastik angewendet. Für die Versorgung gilt § 32 SGB V. Die Physiotherapie begleitet dabei sowohl die konservative Versorgung mit Korsett als auch die Zeit nach einer Wirbelsäulenoperation. Ob neben der Physiotherapie ein Korsett oder eine Operation angezeigt ist, entscheiden Orthopädie und gegebenenfalls Wirbelsäulenchirurgie.
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
In der Ausbildung taucht die Skoliose in der Speziellen Krankheitslehre unter Orthopädie und Pädiatrie auf und in der methodischen Anwendung der Physiotherapie in diesen Fachgebieten, wie es Anlage 1 der PhysTh-APrV vorsieht. Auszubildende lernen, die Krümmung im Befund zu beschreiben: Inspektion von Schulter- und Beckenstand, Taillendreiecken und Rumpfkontur, der Vorneigetest zur Darstellung der Rotation und die Beobachtung der Atmung. Das Ausmaß der Krümmung wird ärztlich im Röntgenbild mit einem standardisierten Winkelmaß bestimmt; Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten lesen diese Befunde, um die Behandlung auf die Krümmungsform abzustimmen.
Weil idiopathische Skoliosen im Wachstumsalter entstehen, sind die Behandelten häufig Kinder und Jugendliche; Elternarbeit, altersgerechte Anleitung und die Abstimmung mit Orthopädietechnik und Schule gehören deshalb zum Alltag. Vertiefte Kenntnisse in skoliosespezifischen Übungskonzepten erwerben Therapeutinnen und Therapeuten nach der Ausbildung in einer Weiterbildung. Typische Inhalte solcher Konzepte sind die aktive Korrektur der Haltung, eine auf die Krümmungsform abgestimmte Atmung und das Einüben korrigierter Positionen im Alltag.
Abgrenzung
- Strukturelle Skoliose: Die Krümmung lässt sich aktiv nicht ausgleichen, die Wirbel sind rotiert.
- Funktionelle Skoliose: Die Seitabweichung ist ausgleichbar, etwa bei einer Beinlängendifferenz oder einer Schonhaltung.
- Haltungsschwäche: Eine muskuläre Haltungsstörung ohne fixierte Verformung der Wirbelsäule.
- Kyphose und Lordose: Krümmungen in der Seitansicht, die als physiologische Schwingungen oder als verstärkte Fehlform vorkommen.