Morbus Bechterew (axiale Spondyloarthritis)

Auch: Spondylitis ankylosans, Bechterew-Krankheit

Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbein-Gelenke aus der Gruppe der axialen Spondyloarthritiden. Typisch sind entzündlicher Rückenschmerz und eine im Verlauf zunehmende Einsteifung der Wirbelsäule.

Morbus Bechterew, fachlich Spondylitis ankylosans, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die vor allem die Kreuz-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke) und die Wirbelsäule betrifft. Die Rheumatologie ordnet sie heute der Gruppe der axialen Spondyloarthritiden zu. Dazu zählt auch eine Form, bei der im Röntgenbild noch keine Veränderungen erkennbar sind, die nicht röntgenologische axiale Spondyloarthritis. Die Erkrankung beginnt meist im jüngeren Erwachsenenalter; als Risikofaktor gilt eine erbliche Veranlagung, häufig verbunden mit dem Gewebemerkmal HLA-B27.

Krankheitsbild

Leitsymptom ist ein entzündlicher Rückenschmerz. Er beginnt schleichend, hält über Monate an, ist nachts und in den frühen Morgenstunden ausgeprägt und bessert sich typischerweise bei Bewegung, nicht aber in Ruhe. Hinzu kommt eine Morgensteifigkeit. Im Verlauf können Verknöcherungen zwischen den Wirbelkörpern entstehen, die die Wirbelsäule zunehmend einsteifen. Typisch ist dann eine verstärkte Krümmung der Brustwirbelsäule mit eingeschränkter Atembreite. Auch Sehnenansätze, Gelenke an Armen und Beinen und die Augen können beteiligt sein. Diagnose und medikamentöse Therapie liegen bei der Rheumatologie.

Verordnungsrahmen

Im Heilmittelkatalog fallen entzündlich-rheumatische Wirbelsäulenerkrankungen unter die Diagnosegruppe WS. Die Spondylitis ankylosans (ICD-10 M45.0-) steht außerdem in der Diagnoseliste zum langfristigen Heilmittelbedarf, Anlage 2 der Heilmittel-Richtlinie, mit den Diagnosegruppen WS und EX. In Verbindung mit diesen Diagnosegruppen ist ohne Antrag von einem langfristigen Bedarf auszugehen; Verordnungen können dann einen Behandlungszeitraum von bis zu zwölf Wochen abdecken (Stand Oktober 2026).

Ergänzend kommen Rehabilitationssport und Funktionstraining in Betracht. Funktionstrainingsgruppen können etwa der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew angehören. Die Rahmenvereinbarung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation nennt den Morbus Bechterew bei den Erkrankungen, für die in der gesetzlichen Krankenversicherung längere Richtwerte in Betracht kommen, beim Funktionstraining bei schwerer Beeinträchtigung der Beweglichkeit (Fassung Januar 2022, Stand Oktober 2026).

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

In der Ausbildung gehört das Krankheitsbild zur Rheumatologie, die die PhysTh-APrV in der Speziellen Krankheitslehre und in der methodischen Anwendung der Physiotherapie aufführt. Im Befund messen Auszubildende die Beweglichkeit der Wirbelsäule mit standardisierten Maßen wie dem Schober- und dem Ott-Zeichen, dem Finger-Boden-Abstand und dem Hinterhaupt-Wand-Abstand, dazu die Atembreite des Brustkorbs. So lässt sich der Verlauf über Jahre vergleichen.

Die Bewegungstherapie zielt darauf ab, Beweglichkeit von Wirbelsäule und Brustkorb, Haltung, Kraft und Ausdauer zu erhalten. Typische Inhalte sind Mobilisation und Dehnung, Kräftigung der Rumpfstreckmuskulatur, Atemtherapie und ein Eigenübungsprogramm für den Alltag. Weil die Erkrankung lebenslang besteht, begleiten Therapeutinnen und Therapeuten Betroffene oft über lange Zeit, in Einzeltherapie und in Gruppen.

Abgrenzung

Abzugrenzen ist der Morbus Bechterew vom unspezifischen Kreuzschmerz, dem keine entzündliche Ursache zugrunde liegt, und von der rheumatoiden Arthritis, die vor allem kleine Gelenke an Händen und Füßen betrifft. Für die Physiotherapie zählt der entzündliche Charakter, weil er Belastung und Übungsauswahl mitbestimmt.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

Alle Begriffe im Physiotherapie-Glossar