Rehabilitationssport und Funktionstraining sind Bewegungsangebote in festen Gruppen für Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Menschen. Beide werden ärztlich verordnet, vom zuständigen Rehabilitationsträger vor Beginn bewilligt und regelmäßig unter fachkundiger Leitung durchgeführt. Ein erklärtes Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe: Die Teilnehmenden sollen in die Lage kommen, langfristig selbstständig weiter zu üben, etwa in einem Verein auf eigene Kosten.
Rechtlicher Rahmen
Beide Leistungen gehören zu den ergänzenden Leistungen nach § 64 SGB IX. Die Vorschrift nennt ärztlich verordneten Rehabilitationssport in Gruppen unter ärztlicher Betreuung und Überwachung und ärztlich verordnetes Funktionstraining in Gruppen unter fachkundiger Anleitung und Überwachung. Für die Krankenkassen knüpft § 43 SGB V daran an; Träger können außerdem die Renten- und die Unfallversicherung sein. Die Einzelheiten regelt die Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR). Sie ist seit dem 1. Januar 2022 in Kraft und mit Stand Oktober 2026 die geltende Fassung.
| Merkmal | Rehabilitationssport | Funktionstraining |
|---|---|---|
| Mittel | Sport, Spiele und bewegungstherapeutische Inhalte | bewegungstherapeutische Übungen mit Mitteln der Krankengymnastik und Ergotherapie |
| Arten | Gymnastik, Ausdauer- und Kraftausdauerübungen, Schwimmen, Bewegungsspiele; außerdem Herzgruppen | Trockengymnastik und Wassergymnastik |
| Schwerpunkt | Ausdauer, Kraft, Koordination, Flexibilität, Selbstbewusstsein | Funktionen von Gelenken und Muskulatur, vor allem bei rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen |
| Leitung | Übungsleitung mit besonderem Qualifikationsnachweis | vor allem Fachkräfte der Physio- und Ergotherapie mit Fortbildung |
| Richtwert GKV | in der Regel 50 Übungseinheiten in 18 Monaten | in der Regel 12 Monate |
Die Richtwerte gelten für die gesetzliche Krankenversicherung nach der Rahmenvereinbarung, Stand Oktober 2026. Für bestimmte Erkrankungen sieht sie längere Zeiträume vor; Renten- und Unfallversicherung haben eigene Regeln.
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
Für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ist vor allem das Funktionstraining ein Arbeitsfeld. Nach der Rahmenvereinbarung kommen für die Leitung vor allem Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten und Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten mit Erfahrung und Fortbildung im Bereich rheumatischer Erkrankungen und Osteoporose in Betracht. Sie weisen eine von den Rehabilitationsträgern anerkannte Fort- oder Zusatzausbildung für das Funktionstraining nach. Die Anforderungen daran hat die BAR bundeseinheitlich festgelegt; sie sind seit August 2025 anzuwenden (Stand Oktober 2026). Teilnehmende sind etwa Menschen mit rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew oder Osteoporose; Gruppen können zum Beispiel Landesverbänden der Deutschen Rheuma-Liga angehören. Rehabilitationssport leiten Übungsleiterinnen und Übungsleiter mit einem besonderen Qualifikationsnachweis, dessen Inhalte die Rehabilitationsträger auf Ebene der BAR abstimmen.
Die Arbeit mit Gruppen verlangt andere Fähigkeiten als die Einzeltherapie. Die Übungen müssen zu unterschiedlich belastbaren Teilnehmenden passen, und die Leitung muss die Leistungsfähigkeit der Einzelnen einschätzen können. In der Ausbildung nach PhysTh-APrV legen dafür die Fächer Prävention und Rehabilitation, Trainingslehre und Bewegungserziehung Grundlagen.
Abgrenzung
Rehabilitationssport und Funktionstraining sind keine Heilmittel. Physiotherapie auf Heilmittelverordnung wird nach der Heilmittel-Richtlinie erbracht und von der Therapeutin oder dem Therapeuten individuell geplant und dosiert. Rehabilitationssport und Funktionstraining setzen nach der Rahmenvereinbarung dagegen voraus, dass die Teilnehmenden ausreichend mobil und belastbar für Übungen in der Gruppe sind. Verordnete Gruppenleistungen sind von Kursangeboten ohne Verordnung wie Aquafitness zu unterscheiden. Auch die Rehabilitation selbst, etwa in einer Reha-Klinik, ist eine eigene Leistung; Rehabilitationssport und Funktionstraining können sich daran anschließen.