Rheumatoide Arthritis

Auch: Chronische Polyarthritis, Rheumatoide Polyarthritis

Rheumatoide Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung der Gelenkinnenhaut, die typischerweise mehrere kleine Gelenke beidseitig betrifft. Im Verlauf können Knorpel, Knochen und Sehnen geschädigt werden.

Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovialis), die auf einer Fehlsteuerung des Immunsystems beruht. Typisch ist ein symmetrischer Befall mehrerer Gelenke, häufig der Finger- und Handgelenke und der Zehengrundgelenke. Leitsymptome sind geschwollene, druckschmerzhafte Gelenke und eine ausgeprägte Morgensteifigkeit, oft begleitet von Abgeschlagenheit. Die Erkrankung verläuft meist in Schüben. Im Verlauf können Knorpel, Knochen, Sehnen und Bänder geschädigt werden, bis hin zu Fehlstellungen der Finger.

Einordnung

Diagnose und medikamentöse Behandlung liegen bei der Rheumatologie. Physiotherapie und Ergotherapie ergänzen sie mit dem Ziel, Beweglichkeit, Kraft und Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten. Der Heilmittelkatalog der Heilmittel-Richtlinie nennt in der Diagnosegruppe EX entzündliche, auch rheumatische Gelenkerkrankungen als Beispiel, in der Diagnosegruppe WS entzündlich-rheumatische Wirbelsäulenerkrankungen.

Die Diagnoseliste zum langfristigen Heilmittelbedarf in Anlage 2 der Richtlinie führt aus diesem Formenkreis unter anderem das Felty-Syndrom, eine Sonderform der seropositiven Polyarthritis, und juvenile Arthritisformen. Weitere Formen der seropositiven und seronegativen chronischen Polyarthritis gehören zum bundesweit vereinbarten besonderen Verordnungsbedarf nach § 106b Absatz 2 SGB V. Auch für sie können Verordnungen nach § 7 Absatz 7 der Richtlinie einen Zeitraum von bis zu zwölf Wochen abdecken, ohne Antrag. Für schwere, dauerhafte Verläufe außerhalb beider Listen entscheidet die Krankenkasse auf Antrag über einen langfristigen Heilmittelbedarf (Stand Oktober 2026).

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

Die PhysTh-APrV führt die Rheumatologie als eigenes Teilgebiet der Speziellen Krankheitslehre und der methodischen Anwendung der Physiotherapie. Auszubildende lernen dort, entzündlich aktive von ruhigen Phasen zu unterscheiden, weil davon Belastung und Auswahl der Maßnahmen abhängen. In aktiven Phasen steht der Schutz der entzündeten Gelenke im Vordergrund, etwa durch Lagerung, schonendes Bewegen und Kälteanwendungen; Wärme gilt in dieser Phase als ungeeignet. In ruhigen Phasen zielen Übungen auf Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer. Zum Befund gehören Gelenkstatus, Bewegungsausmaß, Greiffunktion der Hand und die Frage, welche Alltagstätigkeiten eingeschränkt sind. Gelenkschutz und Hilfsmittelberatung teilen sich Physiotherapie und Ergotherapie.

Ein weiteres Arbeitsfeld ist das Funktionstraining in Gruppen. Nach der Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining leiten es vor allem Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten mit Fortbildung für rheumatische Erkrankungen. Bei schwerer Beeinträchtigung der Beweglichkeit sieht die Vereinbarung für die rheumatoide Arthritis in der gesetzlichen Krankenversicherung einen längeren Richtwert für die Dauer des Funktionstrainings vor als im Regelfall (Fassung Januar 2022, Stand Oktober 2026).

Abgrenzung

Von der Arthrose unterscheidet sich die rheumatoide Arthritis durch den entzündlichen Ausgangspunkt und den Charakter einer Allgemeinerkrankung. Abzugrenzen sind auch andere entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die Psoriasisarthritis oder der Morbus Bechterew, bei dem Wirbelsäule und Kreuz-Darmbein-Gelenke im Mittelpunkt stehen. Umgangssprachlich ist oft allgemein von Rheuma die Rede; der Begriff fasst eine ganze Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen zusammen.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

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