Kryotherapie leitet sich vom griechischen Wort für Frost ab und meint jede Anwendung, die dem Gewebe Wärme entzieht. Die Spanne reicht von der lokalen Eisabreibung über Kaltpackungen bis zur Anwendung von Kaltluft oder Kaltgas mit Geräten. Eingesetzt wird die Kältetherapie unter anderem in akuten Phasen nach Verletzungen oder Operationen, mit dem Ziel, Schmerz und Schwellung zu beeinflussen.
Einordnung als Heilmittel
Unter der Thermotherapie nennt § 24 der Heilmittel-Richtlinie des G-BA die Kältetherapie mittels Kaltpackungen, Kaltgas und Kaltluft (Stand September 2026). Als ergänzendes Heilmittel wird sie zusammen mit einer vorrangigen Maßnahme verordnet, etwa Krankengymnastik oder Manueller Therapie, soweit der Heilmittelkatalog nichts anderes bestimmt. Ganzkörper-Kältekammern gehören nicht zu den dort beschriebenen Formen. Eine Zusatzqualifikation verlangt die Richtlinie für die Kälteanwendung nicht; sie ist mit dem Berufsabschluss abrechenbar.
Wirkweise und Kontraindikationen im Unterricht
Im Fach Hydro-, Balneo-, Thermo- und Inhalationstherapie nach Anlage 1 der PhysTh-APrV lernen Auszubildende, wie der Körper auf Kälte reagiert: mit Gefäßverengung, verlangsamter Nervenleitung und, nach längerer oder intensiver Anwendung, mit einer reaktiven Mehrdurchblutung. Aus diesen Reaktionen leiten sich Dosierung, Dauer und Abstand zur Haut ab. Praktisch üben Auszubildende das Anlegen von Kaltpackungen mit Zwischenlage, das Beobachten der Hautfarbe und das Abfragen des Kälteempfindens während der Anwendung. Ebenso fest im Lehrstoff stehen die Kontraindikationen, darunter:
- Kälteüberempfindlichkeit und Kälteurtikaria
- arterielle Durchblutungsstörungen und anfallsartige Gefäßkrämpfe an Fingern oder Zehen
- Sensibilitätsstörungen im Anwendungsgebiet
Hinzu kommt die Frage, ob die behandelte Person Kälte zuverlässig rückmelden kann, etwa bei eingeschränkter Kommunikation oder nach einer Narkose.
Unterschieden wird außerdem zwischen kurzer und längerer Kälteanwendung. Kurze, intensive Reize wie das Abtupfen mit Eis werden auch mit dem Ziel eingesetzt, die Muskelspannung zu beeinflussen, etwa in der Neurologie. Längere Anwendungen mit Kaltpackungen stehen eher im Zusammenhang mit akuten Verletzungsphasen. Welche Phase der Wundheilung vorliegt, fließt in die Wahl zwischen Kälte und Wärme ein.
Im Praxisalltag halten Therapeutinnen und Therapeuten Hautbefund, Anwendungsdauer und Reaktion in der Dokumentation fest. Welche Form im Einzelfall gewählt wird, klären ärztliche Verordnung und therapeutischer Befund miteinander. Kälte in der Erstversorgung am Spielfeldrand, wie sie in der Sportphysiotherapie vorkommt, ist dagegen keine verordnete Heilmittelleistung. Die einzelnen Anwendungsformen stellt ein ausführlicher Beitrag vor.