Wundheilungsphasen

Auch: Phasen der Wundheilung, Gewebeheilungsphasen

Wundheilungsphasen gliedern die Reparatur verletzten Gewebes in Entzündung, Proliferation und Umbau. In der Physiotherapie dienen sie als Orientierung, wie viel Belastung ein heilendes Gewebe verträgt.

Wundheilungsphasen beschreiben den zeitlichen Ablauf, in dem der Körper verletztes Gewebe repariert. Das Modell gilt für Haut ebenso wie für Muskel, Sehne, Band und Knochen, auch wenn die Geschwindigkeit je nach Gewebe und Durchblutung deutlich schwankt. Üblich ist eine Einteilung in drei Phasen, die sich überlappen und nicht an festen Kalendertagen enden.

Die drei Phasen

  • Entzündungsphase, auch exsudative oder inflammatorische Phase: Blutgerinnung, Einwanderung von Abwehrzellen und Abbau von zerstörtem Gewebe. Typische Zeichen sind Rötung, Wärme, Schwellung, Schmerz und eingeschränkte Funktion.
  • Proliferationsphase: Fibroblasten bilden neues Kollagen, Gefäße sprossen ein, es entsteht Granulationsgewebe. Die neuen Fasern liegen noch ungeordnet und sind wenig belastbar.
  • Umbau- oder Remodellierungsphase: Das Kollagen wird umgebaut und entlang der einwirkenden Zugkräfte ausgerichtet. Diese Phase zieht sich lange hin, und das Ersatzgewebe erreicht die Eigenschaften des ursprünglichen Gewebes oft nicht vollständig.

Die Dauer im Einzelfall hängt von Gewebeart, Alter, Begleiterkrankungen, Medikamenten und Größe der Verletzung ab. Pauschale Zeitangaben aus Lehrbüchern sind daher nur grobe Anhaltspunkte. Die Entzündungsreaktion ist kein Störfaktor, sondern der notwendige Auftakt der Reparatur. Rötung und Wärme kurz nach einer Operation werden deshalb anders eingeordnet als dieselben Zeichen deutlich später im Verlauf, wenn sie auf eine Komplikation hinweisen können.

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

In der Ausbildung nach der PhysTh-APrV gehört die Wundheilung zu Physiologie und allgemeiner Krankheitslehre. Praktisch angewendet wird das Wissen in der methodischen Anwendung in Chirurgie, Traumatologie und Orthopädie, etwa bei der Nachbehandlung einer Fraktur oder nach Einsatz einer Endoprothese.

Im Berufsalltag dient das Phasenmodell der Belastungssteuerung. Therapeutinnen und Therapeuten ordnen Befunde wie Schwellung, Temperatur, Schmerzverhalten und Wundzustand einer Phase zu und wählen Reize, die zum Stand der Heilung passen. In frühen Phasen stehen eher Schutz und dosierte Bewegung im Vordergrund, später eine schrittweise steigende Belastung mit dem Ziel, das neue Gewebe an die Anforderungen des Alltags heranzuführen. Vorgaben aus der ärztlichen Verordnung oder dem Operationsbericht, etwa zu Teilbelastung oder Bewegungsgrenzen, haben dabei Vorrang. Veränderungen im Heilungsverlauf werden in der Dokumentation festgehalten.

Abgrenzung

Das Phasenmodell beschreibt einen physiologischen Normalverlauf. Davon zu unterscheiden sind Wundheilungsstörungen, etwa durch Infektion, Durchblutungsstörungen oder Stoffwechselerkrankungen; ihre Beurteilung ist ärztliche Aufgabe. Die Knochenheilung mit Kallusbildung kennt eigene Stadien, folgt aber denselben Grundprinzipien von Entzündung, Neubildung und Umbau. Für die Planung eines Trainings nach einer Verletzung verbindet die Physiotherapie das Phasenmodell mit den Prinzipien der Trainingslehre.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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