Indikation und Kontraindikation

Auch: Heilanzeige, Gegenanzeige

Eine Indikation ist der fachlich begründete Anlass für eine Maßnahme, eine Kontraindikation ein Umstand, der gegen ihre Anwendung spricht. In der Physiotherapie bestimmen beide mit, welche Maßnahme in Frage kommt und welche entfällt.

Indikation und Kontraindikation sind Gegenbegriffe aus der Medizin. Die Indikation beschreibt, weshalb eine Maßnahme angezeigt ist. Die Kontraindikation, auch Gegenanzeige genannt, beschreibt Umstände, unter denen eine Maßnahme unterbleiben oder angepasst werden muss. Erst beide zusammen ergeben, ob und in welcher Form eine physiotherapeutische Technik eingesetzt wird.

Rechtlicher Rahmen

In der gesetzlichen Krankenversicherung stellt die Ärztin oder der Arzt die Indikation für ein Heilmittel. Grundlage ist die Heilmittel-Richtlinie des G-BA. Nach ihr folgt die Indikation nicht schon aus der Diagnose; erst die Gesamtschau aus Schädigungen, beeinträchtigten Aktivitäten und individuellen Kontextfaktoren begründet sie. Der Heilmittelkatalog ordnet Diagnosegruppen und Leitsymptomatik den verordnungsfähigen Heilmitteln zu. Die Heilmittelverordnung ist Voraussetzung für die Behandlung zulasten der Krankenkasse. Ob eine Maßnahme im konkreten Fall vertretbar ist, prüfen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten dennoch im eigenen Befund.

Arten der Kontraindikation

In der Lehre werden üblicherweise folgende Unterscheidungen getroffen:

  • Absolute Kontraindikation: Die Maßnahme ist in dieser Situation ausgeschlossen.
  • Relative Kontraindikation: Die Maßnahme ist nur nach Abwägung, mit Anpassung oder nach ärztlicher Rücksprache möglich.
  • Lokale und allgemeine Kontraindikation: Der Ausschluss betrifft eine Körperregion oder die Person insgesamt.
  • Vorübergehende Kontraindikation: Sie gilt nur, solange ein bestimmter Zustand anhält, etwa eine akute Phase.

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

Die Anlage 1 zur PhysTh-APrV nennt Indikationen nach Krankheitsbildern und Kontraindikationen ausdrücklich im Fach Massagetherapie. Der Sache nach ziehen sich beide Begriffe durch alle Behandlungsfächer, von den Krankengymnastischen Behandlungstechniken über Elektro-, Licht-, Strahlentherapie bis zu Hydro-, Balneo-, Thermo- und Inhalationstherapie. Auszubildende lernen zu jeder Technik, wann sie angewendet werden darf und wann nicht, und verknüpfen dieses Wissen mit der Speziellen Krankheitslehre.

Im Berufsalltag wird die Prüfung beim Erstbefund und bei jeder Veränderung im Verlauf wiederholt. Hinweise aus Anamnese, Arztbrief und Untersuchung fließen in die Entscheidung ein, das Ergebnis gehört in die Behandlungsakte. Spricht etwas gegen das verordnete Heilmittel, halten Therapeutinnen und Therapeuten Rücksprache mit der verordnenden Praxis. Konkrete Listen einzelner Gegenanzeigen stehen in Fachliteratur, Leitlinien und den Gebrauchsanweisungen von Therapiegeräten; sie ersetzen nicht die Prüfung im Einzelfall.

Abgrenzung

Eine Kontraindikation bezieht sich auf eine konkrete Maßnahme. Red Flags dagegen ziehen die bisherige Erklärung der Beschwerden in Zweifel und verlangen eine ärztliche Abklärung, gleich welche Technik geplant ist. Ob eine Therapie angezeigt ist, ergibt sich aus Befund und Clinical Reasoning.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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