Osteoporose bezeichnet eine systemische Erkrankung des Skeletts. Knochenmasse und innere Architektur des Knochens sind so verändert, dass die Bruchfestigkeit abnimmt. Die Erkrankung bleibt oft lange unbemerkt und wird mitunter erst durch einen Bruch erkannt, etwa an einem Wirbelkörper, am Unterarm oder am Oberschenkelhals. Zu den primären Formen zählt die postmenopausale Osteoporose; sekundäre Formen sind Folge anderer Erkrankungen oder einer medikamentösen Behandlung.
Einordnung und Verordnungsrahmen
Diagnostik, Knochendichtemessung und medikamentöse Therapie sind ärztliche Aufgaben; beteiligt sein können Allgemeinmedizin, Orthopädie, Endokrinologie und Geriatrie. Für die Heilmittelversorgung nennt der Heilmittelkatalog der Heilmittel-Richtlinie die Osteoporose ausdrücklich in der Diagnosegruppe WS, Wirbelsäulenerkrankungen. Verordnet wird Physiotherapie hier als Heilmittel nach § 32 SGB V; die vorrangigen Heilmittel der Gruppe reichen von Krankengymnastik einzeln, in der Gruppe oder im Bewegungsbad bis zur gerätegestützten Krankengymnastik. Brüche an Armen, Beinen oder Becken laufen über die Diagnosegruppe EX (Stand September 2026).
Neben dem Heilmittel gibt es Gruppenangebote außerhalb der Heilmittelversorgung. § 64 SGB IX nennt ärztlich verordneten Rehabilitationssport und Funktionstraining in Gruppen als ergänzende Leistungen zur Rehabilitation. Osteoporosegruppen in diesem Rahmen können von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten angeleitet werden.
Training und Sturzprophylaxe
Physiotherapeutisch stehen zwei Ziele im Vordergrund: den Knochen über angemessene mechanische Reize zu belasten und Stürzen vorzubeugen. Die Behandlung zielt darauf ab, Kraft, Gleichgewicht und Haltungskontrolle zu schulen und die Sicherheit im Alltag zu unterstützen. Bausteine sind ein Krafttraining mit schrittweiser Steigerung, Gleichgewichtsübungen, Gangschulung und die Beratung zu Stolperfallen im Wohnumfeld. Die Sturzprophylaxe verbindet diese Elemente zu einem Programm. Nach Wirbelkörperbrüchen verschiebt sich der Schwerpunkt auf schmerzangepasste Belastung, Haltung und rückengerechte Alltagsbewegungen. Im Befund achten Therapeutinnen und Therapeuten auf Haltung, Gangbild, Gleichgewicht und frühere Stürze; standardisierte Tests zu Gang und Gleichgewicht machen den Verlauf messbar.
Bedeutung in der Ausbildung
Die PhysTh-APrV verankert das Thema an mehreren Stellen: Physiologie für den Knochenstoffwechsel, Spezielle Krankheitslehre mit den Teilgebieten Orthopädie, Geriatrie und Innere Medizin, Trainingslehre für die Belastungssteuerung sowie das eigene Fach Prävention und Rehabilitation. Wer mit älteren Menschen arbeitet, begegnet Osteoporose regelmäßig, oft als Nebendiagnose auf einer Verordnung mit anderem Schwerpunkt. Die Dosierung zwischen notwendigem Trainingsreiz und dem Risiko einer Fraktur ist eine typische Aufgabe für das Clinical Reasoning. In der Prävention sind Kurse zu Knochengesundheit und Sturzvorbeugung ein weiteres Arbeitsfeld.