Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Auch: CMD, Craniomandibuläre Störung, Kiefergelenksdysfunktion

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist ein Sammelbegriff für Funktionsstörungen im Zusammenspiel von Kiefergelenken, Kaumuskulatur und Zahnkontakten, die mit Schmerzen oder eingeschränkter Unterkieferbewegung einhergehen können.

Craniomandibuläre Dysfunktion, abgekürzt CMD, fasst Störungen des Kausystems zusammen. Betroffen sein können die Kiefergelenke, die Kaumuskulatur und das Zusammenspiel der Zahnreihen. Der Begriff beschreibt kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Spektrum von Befunden, deren Einordnung zahnärztliche und ärztliche Diagnostik erfordert. Diskutiert werden verschiedene Einflussfaktoren, darunter Zahnfehlstellungen, Pressen und Knirschen, psychische Belastung und die Haltung von Kopf und Nacken. Welches Gewicht sie im Einzelfall haben, ist Gegenstand der Diagnostik.

Verordnung aus der Zahnarztpraxis

Eine Besonderheit ist der Verordnungsweg. Physiotherapie bei craniomandibulären Störungen kann auch von Zahnärztinnen und Zahnärzten verordnet werden. Grundlage ist die Heilmittel-Richtlinie Zahnärzte des G-BA. Ihr Heilmittelkatalog unterscheidet die Indikationsgruppe CD1 für Störungen mit kurz- bis mittelfristigem Behandlungsbedarf und CD2 für längerdauernden Bedarf, etwa nach Tumoroperationen, schweren Verletzungen oder bei Fehlbildungen. Vorrangige Heilmittel sind Krankengymnastik und Manuelle Therapie, ergänzend Kälte-, Wärme- und Elektrotherapie (Stand September 2026). Als ein Ziel nennt der Katalog das Erlernen eines Eigenübungsprogramms. Wie im ärztlichen Bereich enthält die Verordnung Indikationsgruppe, Leitsymptomatik und Heilmittel.

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

Die Stundentafel der PhysTh-APrV kennt kein eigenes Fach für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Das Kiefergelenk ist trotzdem prüfungsrelevant: Als Gelenk mit Gelenkscheibe, dessen Bewegungen aus Dreh- und Gleitanteilen bestehen, eignet es sich gut, um Arthrokinematik zu verstehen. Das Grundwissen setzt sich aus Anatomie, Physiologie und den Physiotherapeutischen Befund- und Untersuchungstechniken zusammen. Vertieft wird das Thema nach dem Examen. Weil Manuelle Therapie eine Zertifikatsposition ist, darf sie nur mit anerkannter Weiterbildung abgerechnet werden; CMD-spezifische Kurse bauen auf diesem Wissen auf. Im Befund stehen Mundöffnung, Seitwärts- und Vorschubbewegung des Unterkiefers, Gelenkgeräusche, der Tastbefund der Kaumuskulatur und die Stellung von Kopf und Halswirbelsäule im Mittelpunkt. Die Messwerte werden dokumentiert, damit der Verlauf für die verordnende Praxis nachvollziehbar bleibt.

Im Berufsalltag entsteht eine enge Zusammenarbeit mit Zahnarztpraxen, Kieferorthopädie und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Schnittstellen ergeben sich etwa bei Aufbissschienen, deren Anpassung zahnärztliche Aufgabe bleibt, und bei Befunden der Halswirbelsäule, die in die Befunderhebung einfließen. Wie eine physiotherapeutische Behandlung bei CMD im Einzelnen aufgebaut sein kann, beschreibt ein ausführlicher Beitrag.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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