Dermatom und Myotom beschreiben, welche Hautareale und welche Muskeln von einem bestimmten Rückenmarkssegment versorgt werden. Jede Nervenwurzel führt sensible und motorische Fasern; ihr sensibles Versorgungsgebiet an der Haut ist das Dermatom, die von ihr innervierte Muskulatur das Myotom. Die Zuordnung geht auf die segmentale Gliederung des Körpers in der Embryonalentwicklung zurück.
Grundlagen
Dermatome lassen sich als Bänder darstellen, die am Rumpf annähernd gürtelförmig und an Armen und Beinen in Längsstreifen verlaufen. Benachbarte Dermatome überlappen sich, sodass der Ausfall einer einzelnen Wurzel meist nur eine teilweise Sensibilitätsstörung hinterlässt. Veröffentlichte Dermatomkarten weichen im Detail voneinander ab; ihre Grenzen sind als Orientierung zu verstehen, nicht als scharfe Linien.
Bei den Myotomen ist die Zuordnung ebenfalls nicht eins zu eins, weil viele Muskeln Fasern aus mehreren Segmenten erhalten. Für die Untersuchung werden deshalb Kennmuskeln herangezogen, deren Versorgung überwiegend einem Segment zugeschrieben wird. Ergänzend werden Muskeleigenreflexe geprüft, die ebenfalls bestimmten Segmenten zugeordnet sind.
Bedeutung in der Ausbildung
Die Grundlagen stammen aus der Anatomie des Nervensystems, die die Anlage 1 zur PhysTh-APrV im Fach Anatomie vorsieht. Praktisch geübt wird die segmentale Untersuchung in den Befund- und Untersuchungstechniken sowie in der methodischen Anwendung in Neurologie und Orthopädie. Auszubildende lernen dabei, Sensibilität, Kraft der Kennmuskeln und Reflexe im Seitenvergleich zu prüfen und die Ergebnisse in Segmenthöhen zu übersetzen. Die Bezeichnung folgt den Abschnitten der Wirbelsäule: Zervikale, thorakale, lumbale und sakrale Segmente werden mit Buchstabe und Zahl angegeben, zum Beispiel C6 oder L5. Weil Angaben zur Sensibilität auf der Rückmeldung der untersuchten Person beruhen, werden sie zusammen mit den Zeichen aus Kraft- und Reflexprüfung bewertet.
Bedeutung im Berufsalltag
In Praxis und Klinik gehört die segmentale Untersuchung zum Befund bei ausstrahlenden Beschwerden an Wirbelsäule, Armen oder Beinen, etwa bei Verdacht auf eine Wurzelreizung durch einen Bandscheibenvorfall. Neu aufgetretene oder zunehmende Lähmungen, Taubheit im Bereich des Gesäßes und der Oberschenkelinnenseiten oder Störungen von Blase und Darm gelten als Red Flags, die eine umgehende ärztliche Abklärung erfordern.
Die Ergebnisse werden seitengetrennt und mit Segmentangabe festgehalten. Eine genaue Dokumentation macht Veränderungen im Verlauf sichtbar und erleichtert die Rückmeldung an die verordnende Ärztin oder den verordnenden Arzt.
Abgrenzung
Vom segmentalen Muster ist das Versorgungsgebiet eines peripheren Nervs zu unterscheiden. Periphere Nerven enthalten Fasern aus mehreren Segmenten, ihr Ausfallmuster folgt deshalb einer anderen Landkarte. Der Vergleich beider Muster gibt Hinweise, ob eine Störung eher an der Nervenwurzel oder weiter peripher liegt.