Querschnittlähmung

Auch: Querschnittslähmung, Querschnittsyndrom

Querschnittlähmung ist die Folge einer Schädigung des Rückenmarks. Unterhalb der geschädigten Höhe sind Bewegung, Empfindung und vegetative Funktionen ganz oder teilweise gestört; je nach Höhe spricht man von Para- oder Tetraplegie, bei inkompletter Lähmung auch von Para- oder Tetraparese.

Querschnittlähmung bezeichnet die Folgen einer Schädigung des Rückenmarks. Unterhalb der geschädigten Höhe sind willkürliche Bewegung, Empfindung und vegetative Funktionen wie Blasen-, Darm- und Kreislaufregulation gestört. Liegt die Schädigung im Halsmark, sind Arme, Rumpf und Beine betroffen; man spricht von Tetraplegie. Bei Schädigungen im Brust- oder Lendenmark bleiben die Arme ausgenommen, es entsteht eine Paraplegie.

Ursachen sind Verletzungen, etwa nach Unfällen, und Erkrankungen wie Entzündungen, Tumoren, Durchblutungsstörungen oder Einengungen des Wirbelkanals. Das Ausmaß stufen Ärztinnen und Ärzte nach einem international einheitlichen Untersuchungsstandard ein, der motorische und sensible Funktionen Segment für Segment erfasst. Danach gilt eine Lähmung als komplett, wenn in den untersten Sakralsegmenten weder motorische noch sensible Funktion erhalten ist, sonst als inkomplett. Bei inkompletter Lähmung spricht man auch von Tetraparese oder Paraparese.

Verordnungsrahmen

Der Heilmittelkatalog der Heilmittel-Richtlinie führt Querschnittssyndrome als Beispiel der Diagnosegruppe ZN, ZNS-Erkrankungen einschließlich des Rückenmarks. Vorrangige Heilmittel sind dort unter anderem Krankengymnastik, auch im Bewegungsbad, und KG-ZNS als Zertifikatsposition. Paraparese und Paraplegie sowie Tetraparese und Tetraplegie stehen außerdem in Anlage 2 der Richtlinie, der Diagnoseliste zum langfristigen Heilmittelbedarf nach § 32 Absatz 1a SGB V. Die Diagnosegruppe AT, Störungen der Atmung, nennt Erkrankungen des Rückenmarks ebenfalls als Beispiel. Die Angaben entsprechen der Richtlinie mit Stand Oktober 2026.

Nach Arbeits- und Wegeunfällen ist die gesetzliche Unfallversicherung zuständig; den Anspruch auf Heilbehandlung und Rehabilitation regelt § 26 SGB VII. Für die Erstbehandlung gibt es spezialisierte Zentren für Menschen mit Querschnittlähmung.

Aufgaben der Physiotherapie

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten begleiten Menschen mit Querschnittlähmung von der Akutklinik über die Rehabilitation bis zur lebenslangen Nachsorge. Die Schwerpunkte verschieben sich dabei:

  • Akutphase: Atemtherapie und Hustenunterstützung bei hohen Lähmungen, Lagerung, Durchbewegen der Gelenke gegen Kontrakturen, schrittweises Aufrichten mit Blick auf den Kreislauf
  • Rehabilitation: Rumpfkontrolle und Sitzbalance, Transfers zwischen Bett, Rollstuhl und Auto, Rollstuhltraining, Kräftigung der erhaltenen Muskulatur
  • inkomplette Lähmung: Steh- und Gehtraining, auch mit Orthesen oder gerätegestützt
  • Nachsorge: Erhalt der Beweglichkeit, Umgang mit Spastik, Beratung zu Hilfsmitteln, Sport und Bewegung im Alltag

Die Arbeit findet im interdisziplinären Team mit Ärzteschaft, Pflege, Ergotherapie, Psychologie, Orthopädietechnik und Sozialdienst statt. Hautschutz und Druckentlastung, Blasen- und Darmmanagement und die Selbstständigkeit im Alltag sind gemeinsame Themen.

Bedeutung in der Ausbildung

Das Krankheitsbild gehört nach Anlage 1 der PhysTh-APrV thematisch zur Speziellen Krankheitslehre Neurologie und zur methodischen Anwendung der Physiotherapie in Neurologie und Neurochirurgie. Neurophysiologische Behandlungsverfahren wie PNF, Bobath und Vojta, Gangschulung und Rehabilitationsplanung im interdisziplinären Team gehören ebenfalls zum Unterricht, dazu der Behindertensport im Fach Bewegungserziehung. Die praktische Ausbildung umfasst 240 Stunden in der Neurologie; ein Einsatz in einer Abteilung für Querschnittgelähmte ist möglich, aber nicht vorgeschrieben. Die Abrechnung von KG-ZNS setzt nach dem Examen eine Weiterbildung voraus.

Abgrenzung

Bei einer Halbseitenlähmung nach Schlaganfall liegt die Schädigung im Gehirn, betroffen ist eine Körperhälfte. Bei Schädigungen des Rückenmarks entwickelt sich nach der Phase des spinalen Schocks häufig eine Spastik. Schädigungen der Nervenwurzeln unterhalb des Rückenmarkendes, etwa beim Cauda-Syndrom, führen dagegen zu schlaffen Lähmungen, weil dort periphere Nerven betroffen sind.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

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