Bewegungsausmaß beschreibt, wie weit sich ein Gelenk oder ein Körperabschnitt in einer Bewegungsebene bewegen lässt. Erfasst wird es in Winkelgrad oder, etwa an der Wirbelsäule, als Abstand in Zentimetern. Die englische Bezeichnung Range of Motion und die Abkürzung ROM sind in Fachliteratur und Kliniksprache verbreitet.
Aktives und passives Bewegungsausmaß
Beim aktiven Bewegungsausmaß bewegt die Person das Gelenk mit eigener Muskelkraft. Das Ergebnis hängt von Beweglichkeit, Kraft, Koordination, Schmerz und Anstrengungsbereitschaft ab. Beim passiven Bewegungsausmaß führt die Therapeutin oder der Therapeut die Bewegung, während die Person entspannt. Das passive Ausmaß fällt in der Regel etwas größer aus als das aktive.
Der Vergleich beider Werte liefert Hinweise auf die Ursache einer Einschränkung. Ist die aktive Bewegung eingeschränkt, die passive aber frei, liegt die Ursache eher bei Muskelkraft, Nervenversorgung oder Schmerzhemmung. Sind beide eingeschränkt, kommen eher Gelenkkapsel, Bänder oder verkürzte Weichteile in Betracht. Am Ende der passiven Bewegung beurteilen Therapeutinnen und Therapeuten zusätzlich das Endgefühl, also die Qualität des Widerstands, etwa hart, fest-elastisch oder weich. Auch eine Überbeweglichkeit wird als Befund notiert. Zusätzlich hält der Befund fest, ob und an welcher Stelle der Bewegung Schmerz auftritt, denn schmerzfreies und schmerzbegrenztes Ausmaß können deutlich auseinanderliegen.
Messung und Dokumentation
Gemessen wird mit Goniometer, Inklinometer oder Maßband, teils auch mit digitalen Messgeräten. Für eine einheitliche Schreibweise nutzt man im deutschsprachigen Raum die Neutral-Null-Methode. Aussagekräftig ist vor allem der Seitenvergleich mit dem nicht betroffenen Gelenk, denn tabellierte Referenzwerte unterscheiden sich je nach Alter, Geschlecht, Messmethode und Quelle.
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
Das Bewegungsausmaß verbindet mehrere Fächer der PhysTh-APrV: Die Anatomie liefert Gelenkformen und Bewegungsachsen, die Bewegungslehre Ebenen und Bewegungsrichtungen, das Fach Physiotherapeutische Befund- und Untersuchungstechniken die Messpraxis. Im Berufsalltag gehört die ROM-Messung zu den Standardbausteinen der Befunderhebung, etwa in der Nachbehandlung einer Fraktur, nach Gelenkersatz oder bei einer Frozen Shoulder.
Weil sich ein Winkel wiederholt messen lässt, eignet sich das Bewegungsausmaß als Verlaufsparameter und für überprüfbare Therapieziele. Ein größeres Ausmaß ist dabei nicht automatisch das Ziel. Maßgeblich ist, welche Beweglichkeit die Person für ihre Aktivitäten braucht, etwa zum Treppensteigen, Anziehen oder für eine berufliche Tätigkeit.