Frozen Shoulder (Schultersteife)

Auch: Schultersteife, Adhäsive Kapsulitis, Capsulitis adhaesiva

Frozen Shoulder, deutsch Schultersteife, ist eine entzündliche Veränderung der Schultergelenkkapsel mit Verdickung und Schrumpfung, die mit Schmerzen und einer ausgeprägten Bewegungseinschränkung der Schulter einhergeht.

Frozen Shoulder bezeichnet eine Erkrankung der Schultergelenkkapsel, die sich entzündlich verändert, verdickt und schrumpft. Der Fachbegriff lautet adhäsive Kapsulitis. Im Befund ist die Beweglichkeit des Schultergelenks aktiv und passiv in mehrere Richtungen eingeschränkt. Die Medizin unterscheidet eine primäre Form ohne erkennbaren Auslöser von sekundären Formen, etwa nach Verletzungen, Operationen oder längerer Ruhigstellung.

Phasenverlauf

Die Fachliteratur beschreibt den Verlauf in drei Phasen, die fließend ineinander übergehen. Dauer und Ausprägung sind individuell verschieden.

  • Einfrierphase (freezing): Der Schmerz steht im Vordergrund, die Beweglichkeit nimmt zunehmend ab. Die Behandlung richtet die Dosierung nach der Schmerzreaktion.
  • Steifephase (frozen): Der Schmerz tritt zurück, die Bewegungseinschränkung bleibt. Mobilisation im tolerierten Bereich rückt in den Mittelpunkt.
  • Auftauphase (thawing): Die Beweglichkeit nimmt allmählich wieder zu. Aktives Üben und Alltagsfunktionen bestimmen die Therapieziele.

Verordnungsrahmen

Die ärztliche Abklärung liegt bei Orthopädie oder Allgemeinmedizin. Je nach Phase kommen ärztlich etwa Schmerzmedikation, Injektionen oder bei anhaltender Einschränkung operative Verfahren in Betracht; die Physiotherapie begleitet diese Maßnahmen. In der Fachliteratur wird ein Zusammenhang mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus beschrieben. Im Heilmittelkatalog der Heilmittel-Richtlinie gehört die Schultersteife zur Diagnosegruppe EX, Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens; zu den vorrangigen Heilmitteln zählen dort Krankengymnastik, Manuelle Therapie und gerätegestützte Krankengymnastik. Zusätzlich steht die Frozen Shoulder in der Diagnoseliste des Vertrags nach § 125a SGB V. Für diese Schulterdiagnosen kann eine Blankoverordnung ausgestellt werden, bei der die Therapeutin oder der Therapeut Heilmittel, Menge und Frequenz selbst bestimmt. Der Vertrag gilt seit dem 1. November 2024 (Stand September 2026).

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

In der PhysTh-APrV gehören Schultererkrankungen zur Speziellen Krankheitslehre im Teilgebiet Orthopädie/Traumatologie und zur Methodischen Anwendung der Physiotherapie in medizinischen Fachgebieten. Für Auszubildende ist das Krankheitsbild ein gutes Beispiel für Clinical Reasoning: Dieselbe Diagnose verlangt je nach Phase eine andere Dosierung. Messungen mit der Neutral-Null-Methode dokumentieren den Verlauf und machen Veränderungen für Ärztinnen, Ärzte und Kostenträger nachvollziehbar. Weil sich der Verlauf lange hinziehen kann, gehört auch die Gesprächsführung zur Aufgabe: Realistische Erwartungen und gemeinsam vereinbarte Ziele sind Teil der Behandlung.

Abgrenzung

Abzugrenzen ist die Schultersteife vom Impingement-Syndrom und von Läsionen der Rotatorenmanschette, bei denen die passive Beweglichkeit häufig erhalten bleibt; die Unterscheidung gehört zur ärztlichen Diagnostik.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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