Die Bindegewebsmassage, kurz BGM, ist eine Reflexzonentechnik, die am Unterhautbindegewebe ansetzt. Mit kurzen und langen Zuggriffen der Fingerkuppen bearbeiten Therapeutinnen und Therapeuten sogenannte Bindegewebszonen. Diese Zonen werden über die Segmente des Rückenmarks bestimmten Körperregionen und inneren Organen zugeordnet. Über diese reflektorische Verbindung zielt die Behandlung auf Durchblutung, vegetatives Nervensystem und Organfunktionen.
Heilmittel und Ausbildungsinhalt
BGM ist ein Heilmittel nach der Heilmittel-Richtlinie des G-BA und zählt dort zur Massagetherapie. Die Leistungsbeschreibung versteht sie als Technik zur Diagnostik und Behandlung veränderter Bindegewebszonen. Als Einsatzbereiche nennt sie unter anderem funktionelle Störungen innerer Organe und Durchblutungsstörungen. Ein Weiterbildungsnachweis ist für die Abrechnung nicht vorgesehen. Die Regelbehandlungszeit setzt die Leistungsbeschreibung höher an als bei der klassischen Massage.
In der Ausbildung ist die Bindegewebsmassage Pflichtstoff. Anlage 1 der PhysTh-APrV führt sie im Fach Massagetherapie als eigenen Unterpunkt neben der klassischen Massage. Das nötige Hintergrundwissen stammt aus Anatomie und Physiologie, vor allem zur segmentalen Gliederung von Haut und Muskulatur, zu Dermatom und Myotom und zum vegetativen Nervensystem. Im praktischen Teil der staatlichen Prüfung nach § 14 PhysTh-APrV ist aus der Massagetherapie mindestens eine Technik am Probanden auszuführen; die BGM gehört zu den Techniken, die dafür in Betracht kommen.
Bedeutung im Berufsalltag
Jede Behandlung beginnt mit einem Befund der Bindegewebszonen. Dazu gehören die Sichtprüfung auf Einziehungen und Quellungen sowie der Tastbefund der Verschieblichkeit. Die Behandlung folgt einem systematischen Aufbau, der am Becken und unteren Rücken beginnt, bevor weitere Regionen hinzukommen. Reaktionen der Haut und das Befinden während der Sitzung werden beobachtet und dokumentiert. Die Technik verlangt Übung, weil Zugrichtung, Tiefe und Tempo fein dosiert werden. Das während der Zuggriffe beschriebene schneidende Hautgefühl dient dabei als Rückmeldung für die Dosierung. Weil die Zonen segmental auch inneren Organen zugeordnet sind, gehört die Abklärung von Kontraindikationen fest zum Befund.
Abgrenzung
Von der klassischen Massagetherapie unterscheidet sich die BGM in Ansatzpunkt und Zielrichtung. Sie arbeitet an Reflexzonen der Unterhaut statt an der Muskulatur und nutzt keine Knet- oder Klopfgriffe. Die Zonenlehre und den Ablauf einer Behandlung erläutert ein ausführlicher Beitrag.