Muskelfunktionstest bezeichnet die manuelle Prüfung der Kraft eines Muskels oder einer Muskelgruppe. Die Person führt eine definierte Bewegung aus, zunächst gegen die Schwerkraft, dann gegen den Widerstand der untersuchenden Hand. Das Ergebnis wird als Kraftgrad angegeben und mit der Gegenseite verglichen.
Kraftgrade
Verbreitet ist eine Einteilung in sechs Stufen, die auf den britischen Medical Research Council zurückgeht. Die folgende Übersicht gibt sie verkürzt wieder, Stand September 2026:
- Kraftgrad 0: keine Muskelaktivität sichtbar oder tastbar.
- Kraftgrad 1: sichtbare oder tastbare Anspannung ohne Bewegung im Gelenk.
- Kraftgrad 2: Bewegung im vollen Umfang unter Ausschaltung der Schwerkraft.
- Kraftgrad 3: Bewegung im vollen Umfang gegen die Schwerkraft.
- Kraftgrad 4: Bewegung gegen die Schwerkraft und gegen mäßigen Widerstand.
- Kraftgrad 5: normale Kraft.
Manche Lehrbücher und Einrichtungen ergänzen Zwischenstufen mit Plus und Minus. Welche Variante gilt, legt das Befundschema der jeweiligen Einrichtung fest.
Aufbau in der Ausbildung
Der MFT gehört nach der PhysTh-APrV zum Fach Physiotherapeutische Befund- und Untersuchungstechniken und setzt Anatomiewissen voraus, vor allem zu Ursprung, Ansatz, Funktion und Innervation der Muskeln. Für jeden Test lernen Auszubildende die Ausgangsstellung, die Fixation des körpernahen Abschnitts, die Testbewegung, den Ort des Widerstands und typische Ausweichbewegungen. Solche Ausweichbewegungen entstehen, wenn andere Muskeln die Arbeit des schwachen Muskels übernehmen; bleiben sie unbemerkt, fällt der Kraftgrad zu hoch aus. Der Testablauf ist gestuft: Ob die Prüfung mit Widerstand fortgesetzt wird, hängt davon ab, ob die Bewegung gegen die Schwerkraft gelingt.
Bedeutung im Berufsalltag
Eingesetzt wird der MFT vor allem bei peripheren Nervenläsionen, nach Verletzungen und Operationen, bei neuromuskulären Erkrankungen und bei Rückenmarksschädigungen. Kraftgrade von Kennmuskeln geben Hinweise auf betroffene Nervenwurzeln, siehe Dermatom und Myotom. Die Ergebnisse fließen in die physiotherapeutische Befunderhebung, in Therapieziele und in die Dokumentation ein.
Der Test hat Grenzen. Er hängt von Erfahrung und Handkraft der untersuchenden Person ab, und in den oberen Kraftgraden unterscheidet er nur grob. Für genauere Verlaufsmessungen kommen ergänzend Handkraftmesser oder andere Dynamometer zum Einsatz. Bei zentralen Lähmungen mit Spastik ist der MFT nur eingeschränkt aussagekräftig, weil Tonus und Bewegungsmuster die Prüfung einzelner Muskeln überlagern.
Abgrenzung
Die Abkürzung MFT steht in anderen Gesundheitsberufen auch für die myofunktionelle Therapie im Mund- und Gesichtsbereich. Im physiotherapeutischen Befund meint MFT die manuelle Kraftprüfung.