Diagnosegruppe

Auch: Indikationsschlüssel

Eine Diagnosegruppe ist ein Schlüssel im Heilmittelkatalog, der Erkrankungen mit vergleichbarem Behandlungsbedarf zusammenfasst, etwa WS für Wirbelsäulenerkrankungen oder LY für Lymphabflussstörungen. Sie muss auf jeder Heilmittelverordnung stehen.

Eine Diagnosegruppe bündelt im Heilmittelkatalog Erkrankungen, die einen ähnlichen Behandlungsbedarf auslösen. Statt jede Einzeldiagnose mit Heilmitteln zu verknüpfen, arbeitet der Katalog mit wenigen Gruppen, die ein Buchstabenkürzel tragen. In vielen Gruppen unterscheiden Ziffern hinter dem Kürzel Untergruppen, zum Beispiel WS1 und WS2.

Rechtlicher Rahmen

Die Diagnosegruppen stehen im Zweiten Teil der Heilmittel-Richtlinie, die der Gemeinsame Bundesausschuss nach § 92 SGB V beschließt. Zu jeder Gruppe nennt der Katalog die Leitsymptomatik, die verordnungsfähigen Heilmittel, die orientierende Behandlungsmenge, die Höchstmenge je Verordnung und eine Frequenzempfehlung. Die Übersicht unten bildet den Stand September 2026 in vereinfachter Form ab; die vollständigen Bezeichnungen und Untergruppen enthält die Richtlinie selbst.

Diagnosegruppen in der Physiotherapie

  • WS: Erkrankungen der Wirbelsäule
  • EX: Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens
  • CS: chronifiziertes Schmerzsyndrom
  • ZN: Erkrankungen des zentralen Nervensystems einschließlich des Rückenmarks sowie neuromuskuläre Erkrankungen
  • PN: periphere Nervenläsionen und Muskelerkrankungen
  • AT: Störungen der Atmung
  • GE: arterielle Gefäßerkrankungen
  • LY: Lymphabflussstörungen

Daneben führt der Katalog weitere Gruppen für seltenere Indikationen.

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

Auf der Heilmittelverordnung gehört die Diagnosegruppe zu den Pflichtangaben, zusammen mit ICD-10-Code und Leitsymptomatik. Aus ihr ergibt sich, welche Heilmittel zulässig sind: Krankengymnastik zur Behandlung zentraler Bewegungsstörungen etwa ist an Gruppen wie ZN gebunden, Manuelle Lymphdrainage vor allem an LY. Die Gruppe bestimmt außerdem, welche orientierende Behandlungsmenge gilt, und gehört zur Definition des Verordnungsfalls.

In der Ausbildung hilft es, die Kürzel früh mit den Fachgebieten der Krankheitslehre zu verknüpfen. Im Praktikum lässt sich dann an echten Rezepten nachvollziehen, wie Befund, Diagnosegruppe und Behandlungsplan zusammenhängen. Die Einträge im Heilmittelkatalog sind dafür die Referenz.

Leitsymptomatik innerhalb der Gruppe

Jede Diagnosegruppe ist weiter nach Leitsymptomatik gegliedert. Der Katalog kennzeichnet sie mit Kleinbuchstaben, etwa a, b oder c, und beschreibt damit die im Vordergrund stehende Schädigung, zum Beispiel eine Einschränkung der Beweglichkeit oder eine Störung der Muskelfunktion. Passt keine der Vorgaben, kann die verordnende Praxis eine patientenindividuelle Leitsymptomatik im Klartext angeben. Bestehen mehrere behandlungsbedürftige Erkrankungen aus verschiedenen Gruppen, werden sie in der Regel getrennt verordnet, weil jede Verordnung einer Diagnosegruppe zugeordnet ist.

Abgrenzung

Die Diagnosegruppe ersetzt nicht die ärztliche Diagnose, sondern ordnet sie für das Heilmittelrecht ein. Die Leitsymptomatik beschreibt innerhalb der Gruppe, welche Funktionsstörung im Vordergrund steht. Mit den Diagnosis Related Groups (DRG) der Krankenhausabrechnung hat der Begriff nichts zu tun; DRG sind Fallpauschalen für stationäre Behandlungen.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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