Direktzugang

Auch: Direct Access, Erstkontakt Physiotherapie

Zugang zur Physiotherapie ohne vorherige ärztliche Verordnung. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist er in Deutschland nicht vorgesehen; eine eigenständige Behandlung ohne Verordnung setzt eine Heilpraktikererlaubnis voraus.

Direktzugang bedeutet, dass Patientinnen und Patienten eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten ohne vorherige ärztliche Verordnung aufsuchen und dort untersucht und behandelt werden. In Deutschland ist das im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht vorgesehen. Außerhalb davon setzt eine eigenständige Behandlung ohne Verordnung eine Heilpraktikererlaubnis voraus.

Direktzugang und Regelversorgung im Vergleich Das Schaubild stellt zwei Zugangswege zur Physiotherapie gegenüber. Oben die Regelversorgung, in der eine ärztliche Heilmittelverordnung Voraussetzung für die Behandlung ist. Darunter der Direktzugang ohne ärztliche Verordnung, der in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht vorgesehen ist. Regelversorgung mit ärztlicher Heilmittelverordnung gegenüber Direktzugang ohne ärztliche Verordnung in der GKV nicht vorgesehen
Schaubild: Regelversorgung mit ärztlicher Heilmittelverordnung gegenüber Direktzugang ohne Verordnung, der in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht vorgesehen ist. Quelle: § 32 SGB V, Heilmittel-Richtlinie des G-BA. Stand September 2026.

Das Schaubild stellt zwei Zugangswege zur Physiotherapie gegenüber. Oben die Regelversorgung, in der eine ärztliche Heilmittelverordnung Voraussetzung für die Behandlung ist. Darunter der Direktzugang ohne ärztliche Verordnung, der in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland nicht vorgesehen ist.

Rechtslage in Deutschland

Versicherte haben nach § 32 SGB V Anspruch auf Heilmittel. Das Nähere regelt die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, die eine vertragsärztliche Verordnung voraussetzt. Einen Schritt weiter geht § 125a SGB V mit der Heilmittelversorgung mit erweiterter Versorgungsverantwortung, meist Blankoverordnung genannt: Die Ärztin oder der Arzt stellt Diagnose und Indikation, die Therapeutin oder der Therapeut bestimmt Auswahl, Dauer und Frequenz der Behandlung. Auch das ist kein Direktzugang, weil der ärztliche Erstkontakt bestehen bleibt.

Wer ohne ärztliche Verordnung eigenverantwortlich Heilkunde ausübt, braucht nach § 1 HeilprG eine Erlaubnis. Für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten gibt es dafür die auf ihr Fachgebiet beschränkte sektorale Heilpraktikererlaubnis. Leistungen auf dieser Grundlage werden nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht. Ein allgemeiner Direktzugang ist im SGB V mit Stand September 2026 nicht enthalten. Seine Einführung wird im Zusammenhang mit der Reform der Physiotherapieausbildung diskutiert; ein Zeitpunkt steht nicht fest.

Vergleich mit anderen Ländern

In mehreren anderen Staaten ist ein Direktzugang zur Physiotherapie eingeführt, etwa in den Niederlanden, im Vereinigten Königreich und in Australien. Umfang, Kostenübernahme und Anforderungen an die Qualifikation unterscheiden sich je nach Gesundheitssystem. In einigen Systemen ist der Direktzugang an eine hochschulische Ausbildung oder an festgelegte Screeningverfahren gekoppelt. Ein direkter Vergleich mit Deutschland ist deshalb nur eingeschränkt möglich, weil Ausbildung, Vergütung und Versicherungssystem zusammenhängen.

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

Ohne ärztliche Vorabklärung liegt die Verantwortung für die Einschätzung bei der Therapeutin oder dem Therapeuten. Hinweise auf ernste Ursachen zu erkennen und rechtzeitig an ärztliche Stellen weiterzuleiten, rückt damit ins Zentrum. Deshalb stehen Befunderhebung, Differenzialdiagnostik und das Screening auf Red Flags im Mittelpunkt der Diskussion um die Qualifikation. Anlage 1 PhysTh-APrV führt Physiotherapeutische Befund- und Untersuchungstechniken bereits als eigenes Unterrichtsfach. Welche Inhalte ein Direktzugang in Ausbildung oder Weiterbildung zusätzlich verlangen würde, ist offen und hängt von einer künftigen Regelung ab.

Abgrenzung

Kein Direktzugang ist eine privatärztliche Verordnung: Sie bleibt eine ärztliche Verordnung, auch wenn die Kosten nicht über die gesetzliche Krankenversicherung laufen. Ebenfalls zu unterscheiden sind Kurse und Trainingsangebote für Gesunde ohne Krankheitsbezug, die nicht auf die Behandlung von Krankheiten zielen.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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