Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE, ist ein mehrteiliges Behandlungskonzept bei Lymphödemen. Sie bündelt fünf Bausteine, die aufeinander abgestimmt eingesetzt werden. Ziel des Konzepts ist es, eine Schwellung zu verringern und den erreichten Zustand anschließend zu halten. Eine einzelne Technik ist die KPE also nicht, sondern ein Behandlungsplan aus mehreren Leistungen.
Grundlagen und Phasen
Fachliche Grundlage ist die bei der AWMF registrierte S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Lymphödeme. Sie beschreibt die KPE als Kombination dieser Bestandteile:
- Manuelle Lymphdrainage
- Kompressionstherapie, zunächst mit Bandagen, später mit Kompressionsstrümpfen
- entstauende Bewegungsübungen unter Kompression
- Hautpflege
- Aufklärung und Anleitung zur Selbstbehandlung
Gegliedert wird die Behandlung in zwei Phasen. In der Entstauungsphase stehen häufige Lymphdrainage und täglich erneuerte Kompressionsbandagen im Vordergrund. In der Erhaltungs- und Optimierungsphase übernimmt eine angepasste Kompressionsbestrumpfung, ergänzt durch Lymphdrainage nach Bedarf und das Selbstmanagement der Betroffenen.
Rechtlicher Rahmen
Eine Heilmittelposition mit dem Namen KPE gibt es im Heilmittelkatalog der Heilmittel-Richtlinie nicht. Ambulant setzt sich die Behandlung aus einzeln verordneten Leistungen zusammen: Manuelle Lymphdrainage in der passenden Zeitstufe, Kompressionsbandagierung als ergänzende Leistung und bei Bedarf Krankengymnastik. Kompressionsbinden und Kompressionsstrümpfe sind keine Heilmittel; sie werden von der Ärztin oder dem Arzt getrennt verordnet. Für die Erhaltungsphase werden Kompressionsstrümpfe bei Lymphödemen häufig flachgestrickt und nach Maß gefertigt. Stationär wird die KPE in lymphologischen Fachkliniken durchgeführt.
Bedeutung für Ausbildung und Beruf
Wer in der Lymphologie arbeiten möchte, braucht die Zertifikatsweiterbildung in Manueller Lymphdrainage, die in der Regel auch das Bandagieren umfasst und deshalb oft unter der Bezeichnung MLD/KPE angeboten wird. Die Grundausbildung legt das Fundament mit Gefäßphysiologie, Anatomie und dem Themenfeld Ödeme aus der Allgemeinen Krankheitslehre, vermittelt die KPE als Kassenleistung aber nicht.
Im Berufsalltag ist die KPE Handarbeit und Teamarbeit zugleich. Das Anlegen mehrlagiger Bandagen verlangt Übung und genaue Dosierung des Drucks. Therapeutinnen und Therapeuten arbeiten eng mit verordnenden Ärztinnen und Ärzten sowie mit dem Sanitätsfachhandel zusammen, der die Strümpfe anmisst. Einen großen Anteil hat die Schulung: Betroffene lernen, Hautpflege, Bewegungsübungen und Kompression in den Alltag zu übernehmen. Eingesetzt wird das Konzept unter anderem bei primären und sekundären Lymphödemen.