Manuelle Lymphdrainage, kurz MLD, ist eine Grifftechnik, die den Abfluss von Gewebsflüssigkeit über das Lymph- und Venensystem anregen soll. Anders als bei der Massage arbeiten die Hände langsam, rhythmisch und mit geringem Druck, in einer festen Abfolge von Drehgriffen, Schöpfgriffen, Pumpgriffen und stehenden Kreisen. Als Therapieziel nennt die Leistungsbeschreibung der Krankenkassen die Entstauung.
Verordnung und Zeitstufen
MLD ist ein Heilmittel nach der Heilmittel-Richtlinie des G-BA. Verordnet wird sie in drei Stufen nach Behandlungsdauer: als Teilbehandlung mit 30 Minuten, als Großbehandlung mit 45 Minuten und als Ganzbehandlung mit 60 Minuten. Welche Stufe gewählt wird, richtet sich nach Ausprägung und Ausdehnung der Schwellung, etwa ob ein Arm oder beide Beine betroffen sind. Im Anschluss kann eine Kompressionsbandagierung als eigene Leistung hinzukommen. Die Kompressionsbinden verordnet die Ärztin oder der Arzt gesondert. Geräte zur apparativen Entstauung ersetzen die manuelle Technik nach der Leistungsbeschreibung nicht.
Abrechnen dürfen MLD Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie Masseurinnen und Masseure und medizinische Bademeisterinnen und Bademeister. Voraussetzung ist eine abgeschlossene, anerkannte Weiterbildung in Manueller Lymphdrainage mit Abschlussprüfung und eine Abrechnungserlaubnis der Landesorganisationen der Krankenkassen.
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
Anlage 1 der PhysTh-APrV nennt die Lymphdrainage nicht als eigenen Unterpunkt. Das Grundlagenwissen ist trotzdem Pflichtstoff: Herz-, Blut- und Gefäßphysiologie, die Anatomie des Gefäßsystems und in der Allgemeinen Krankheitslehre der Abschnitt Entzündungen und Ödeme. Die Grifftechnik selbst und ihre Anwendung als Kassenleistung vermittelt erst die Zertifikatsweiterbildung. Sie steht auch dem Beruf Masseur und medizinischer Bademeister offen und führt dort wie in der Physiotherapie zur Zertifikatsposition.
Eingesetzt wird MLD unter anderem bei primären und sekundären Lymphödemen sowie bei vorübergehenden Schwellungen, etwa nach Verletzungen oder Operationen. Vor der Behandlung klären Therapeutinnen und Therapeuten Gegenanzeigen wie akute Infektionen, eine frische Venenthrombose oder Ödeme bei dekompensierter Herzinsuffizienz. Bei ausgeprägten Lymphödemen kann sie Teil der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie sein, die Griffe mit Kompression, Bewegung und Hautpflege kombiniert.
Abgrenzung
Mit der klassischen Massage hat MLD wenig gemeinsam. Der Druck ist deutlich geringer, und die Griffe folgen dem Verlauf der Lymphgefäße und Lymphknotengruppen statt der Muskulatur. Auch die Arbeitsweise im Alltag unterscheidet sich: Eine Ganzbehandlung beansprucht eine volle Stunde am Stück, bei Bedarf gefolgt vom Anlegen einer Bandage.