Elektrotherapie

Auch: Elektrobehandlung, Stromtherapie

Elektrotherapie ist die Anwendung elektrischer Ströme am Körper zu therapeutischen Zwecken. In der Physiotherapie ist sie ein ergänzendes Heilmittel nach der Heilmittel-Richtlinie und fester Bestandteil der Ausbildung.

Elektrotherapie fasst Behandlungsformen zusammen, bei denen Strom über Elektroden oder über das Badewasser auf den Körper geleitet wird. Stromform, Elektrodenlage und Dosierung wählen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten nach Befund und ärztlicher Verordnung. Je nach Einsatz zielt die Anwendung auf Schmerz, Durchblutung und Muskelspannung oder darauf, gezielt Muskelkontraktionen auszulösen. Das Spektrum reicht vom konstanten Gleichstrom bis zu gepulsten Reizströmen.

Stromformen im Verordnungsrahmen

§ 21 der Heilmittel-Richtlinie des G-BA gliedert die Elektrotherapie in drei Maßnahmen (Stand September 2026):

  • Elektrotherapie mit konstantem galvanischem Strom oder mit Stromimpulsen, etwa diadynamischen Strömen, mittelfrequenten Wechselströmen oder Interferenzströmen
  • Elektrostimulation mit Reizströmen nach Bestimmung der Reizparameter, vorgesehen für Lähmungen bei prognostisch reversibler Nervenschädigung
  • hydroelektrisches Teil- oder Vollbad, bekannt als Stangerbad

Im Heilmittelkatalog steht die Elektrotherapie als ergänzendes Heilmittel. Abweichend von der Grundregel darf sie nach § 12 Absatz 3 der Richtlinie auch allein verordnet werden, sofern der Katalog das für die jeweilige Indikation vorsieht. Den Leistungsanspruch der Versicherten regelt § 32 SGB V. Eine Reizstromform mit eigenem Eintrag im Glossar ist die TENS.

Bedeutung für Ausbildung und Beruf

Anlage 1 der PhysTh-APrV führt das Fach Elektro-, Licht- und Strahlentherapie mit 60 Stunden. Es umfasst physikalische Grundlagen, eine Einführung in die Elektrodiagnostik und die Anwendung nieder-, mittel- und hochfrequenter Stromformen. Hochfrequente Verfahren gehören damit zum Lehrstoff, obwohl § 21 der Richtlinie nur galvanische, nieder- und mittelfrequente Ströme als Heilmittel beschreibt. Im Unterricht üben Auszubildende Elektrodenanlage und Dosierung und lernen die Kontraindikationen, etwa implantierte Herzschrittmacher. In der Dokumentation halten sie Stromform, Intensität, Dauer und Hautreaktion fest. Vor dem ersten Einsatz eines Geräts steht in Praxis und Klinik eine Einweisung in dessen Bedienung.

Die Elektrodiagnostik prüft die Erregbarkeit von Nerv und Muskel. Sie ist mehr als Theorie: Die Richtlinie knüpft die Elektrostimulation ausdrücklich an die vorherige Bestimmung der Reizparameter. Unterrichtsstoff und spätere Verordnungspraxis greifen an dieser Stelle unmittelbar ineinander.

Eine Zertifikatsposition ist die Elektrotherapie nicht. § 17 Absatz 2 der Richtlinie kennzeichnet sie nicht als Maßnahme mit zusätzlicher Weiterbildungspflicht, die Befähigung stammt aus der Ausbildung. Auch der Beruf Masseur und medizinischer Bademeister wendet sie an. Physikalische Hintergründe und Geräteformen behandelt ein ausführlicher Beitrag auf physiotherapie.net.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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