Physiotherapie bezeichnet zugleich einen Beruf, ein Fachgebiet und eine Gruppe von Heilmitteln. Sie arbeitet mit aktiver Bewegung, passiven Techniken und physikalischen Reizen wie Wärme, Kälte, Wasser oder Strom. Ausgangspunkt jeder Behandlung ist ein Befund, aus dem Therapieziele und Behandlungsplan abgeleitet werden. Dieser Eintrag bildet den Einstieg ins Glossar und ordnet Beruf, Recht und Ausbildung ein; die einzelnen Verfahren und Krankheitsbilder haben eigene Einträge.
Rechtlicher Rahmen
Die Berufsbezeichnung ist nach § 1 MPhG geschützt: Wer sich Physiotherapeutin oder Physiotherapeut nennen will, braucht eine Erlaubnis. Nach § 9 MPhG dauert die Ausbildung drei Jahre und endet mit der staatlichen Prüfung; Fächer und Stunden legt die PhysTh-APrV fest. Als Einsatzfelder nennt das Ausbildungsziel in § 8 MPhG Prävention, kurative Medizin, Rehabilitation und Kurwesen. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist Physiotherapie ein Heilmittel nach § 32 SGB V, dessen Verordnungsfähigkeit die Heilmittel-Richtlinie des G-BA regelt. Die frühere Berufsbezeichnung Krankengymnastin oder Krankengymnast ist überholt; als Name eines Heilmittels besteht die Krankengymnastik fort. Eine Reform der Ausbildung ist politisch in Arbeit, welche Regeln künftig gelten, ist offen (Stand September 2026).
Bedeutung für Ausbildung und Beruf
Die Ausbildung verbindet Grundlagenfächer wie Anatomie und Physiologie mit Behandlungstechniken und deren Anwendung in medizinischen Fachgebieten von der Inneren Medizin bis zur Pädiatrie. Neben Berufsfachschulen bieten Hochschulen Studiengänge an, darunter primärqualifizierende Studiengänge, die die Länder nach § 18a MPhG dauerhaft zulassen können, seit die Modellklausel Ende 2024 ausgelaufen ist. Ausbildungsstätten nach Bundesland listet das Verzeichnis der Schulen.
Das Berufsbild umfasst Tätigkeiten in Praxen, Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen, im Sport und in der Prävention. Mehrere Behandlungsverfahren, etwa Manuelle Therapie oder Manuelle Lymphdrainage, sind als Zertifikatsposition erst nach einer anerkannten Weiterbildung mit den Krankenkassen abrechenbar. Einen breiteren Blick auf das Fachgebiet und seine Methoden gibt ein ausführlicher Beitrag.
Abgrenzung
Die physikalische Therapie umfasst vor allem Reize wie Wärme, Kälte, Strom, Wasser und Massage; sie wird auch von Masseurinnen, Masseuren sowie medizinischen Bademeisterinnen und Bademeistern erbracht. Die Ergotherapie ist ein eigener Heilmittelberuf mit Schwerpunkt auf Handlungsfähigkeit im Alltag. Einen Direktzugang zur Physiotherapie ohne Verordnung sieht die gesetzliche Krankenversicherung nicht vor; heilkundlich eigenständig tätig werden dürfen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten nur mit sektoraler Heilpraktikererlaubnis (Stand September 2026).