Praktische Ausbildung (Praktikum)

Auch: Praktikum Physiotherapie, Praxiseinsatz, Klinikpraktikum

Die praktische Ausbildung ist der Teil der Physiotherapieausbildung, der am Patienten in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen stattfindet. Die PhysTh-APrV schreibt dafür mindestens 1.600 Stunden in festgelegten Fachgebieten vor.

Praktische Ausbildung heißt in der Physiotherapie der Ausbildungsteil, der außerhalb des Klassenraums am Patienten stattfindet. Umgangssprachlich wird er oft Praktikum genannt, rechtlich ist er aber fester Bestandteil der dreijährigen Ausbildung und kein freiwilliges Zusatzangebot. Auszubildende arbeiten dabei unter Anleitung in Kliniken und anderen Einrichtungen und wenden an, was sie im Unterricht gelernt haben.

Rechtlicher Rahmen

§ 9 MPhG gliedert die Ausbildung in theoretischen und praktischen Unterricht und eine praktische Ausbildung. Schulen ohne eigenes Krankenhaus müssen die Einsätze über eine Regelung mit Krankenhäusern oder anderen geeigneten medizinischen Einrichtungen sicherstellen. Den Umfang legt § 1 der PhysTh-APrV fest: Neben mindestens 2.900 Stunden Unterricht stehen mindestens 1.600 Stunden praktische Ausbildung, die nach § 1 Absatz 3 am Patienten stattfindet (Stand September 2026). Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme wird mit einer Bescheinigung nach Anlage 4 nachgewiesen.

Fachgebiete der Einsätze

Anlage 1 Teil B der Verordnung verteilt die Stunden auf sieben medizinische Fachgebiete in Krankenhäusern oder anderen geeigneten Einrichtungen, dazu auf sonstige Einrichtungen und Exkursionen. Jedes Fachgebiet hat einen eigenen Mindestumfang; ein weiterer Stundenblock kann frei auf die Fachgebiete verteilt werden. Die Tabelle zeigt zugleich, aus welchen Gebieten die Patientinnen und Patienten im praktischen Prüfungsteil stammen.

FachgebietPatient in der praktischen Prüfung (§ 14 Abs. 1 Nr. 3)
Chirurgieja, erster Prüfungspatient aus Chirurgie oder Orthopädie
Orthopädieja, erster Prüfungspatient aus Chirurgie oder Orthopädie
Innere Medizinja, zweiter Prüfungspatient
Neurologieja, zweiter Prüfungspatient
Pädiatrieja, zweiter Prüfungspatient
Gynäkologieja, zweiter Prüfungspatient
Psychiatrienein
Sonstige Einrichtungen, Exkursionennein

Bedeutung in der Ausbildung

In den Einsätzen üben Auszubildende die Befunderhebung, die Planung von Behandlungen und die Dokumentation unter realen Bedingungen. In der Fächergruppe zur methodischen Anwendung der praktischen Prüfung werden Befund, Bewertung, Dokumentation und Therapieplan am Menschen verlangt, nicht am Modell. Die Einsätze sind damit der Ort, an dem genau diese Abfolge vorher geübt wird.

Wie die Einsätze zeitlich liegen und welche Einrichtungen beteiligt sind, organisiert die Schule. Für die Schulwahl ist daher interessant, mit welchen Kliniken und Einrichtungen sie zusammenarbeitet.

Abgrenzung

  • Praktischer Unterricht: Er findet an der Schule statt, etwa in Übungen an Mitschülerinnen und Mitschülern, und zählt zu den Unterrichtsstunden, nicht zur praktischen Ausbildung.
  • Vorpraktikum: Manche Schulen erwarten vor Ausbildungsbeginn ein Praktikum. Das Berufsgesetz verlangt es nicht, und es zählt nicht zu den Stunden der praktischen Ausbildung.
  • Praktische Tätigkeit: Beim Beruf Masseur und medizinischer Bademeister folgt nach § 4 MPhG auf den Lehrgang eine praktische Tätigkeit von sechs Monaten. Ein solches Anschlusspraktikum kennt die Physiotherapieausbildung nicht.

Ausführlich beantwortet: Wie viel Praxis steckt in der Physiotherapie-Ausbildung?

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

Alle Begriffe im Physiotherapie-Glossar