Ein Therapieziel legt fest, was eine Behandlungsserie erreichen soll. Es entsteht aus dem Befund, berücksichtigt die Anliegen der behandelten Person und bildet den Maßstab, an dem der Verlauf gemessen wird. Ohne Ziel lässt sich weder die Auswahl einer Maßnahme begründen noch beurteilen, wann sie geändert werden muss.
Grundlagen
Das Ausbildungsziel in § 8 MPhG umreißt den Auftrag des Berufs: Hilfen zur Entwicklung, zum Erhalt oder zur Wiederherstellung von Funktionen im somatischen und psychischen Bereich geben und bei nicht rückbildungsfähigen Körperbehinderungen Ersatzfunktionen schulen. Therapieziele übertragen diesen allgemeinen Auftrag auf den Einzelfall. Die ärztliche Verordnung kann Hinweise zu Therapiezielen enthalten. Die Heilmittel-Richtlinie des G-BA verbindet im Heilmittelkatalog Diagnosegruppen mit Leitsymptomatik und Heilmitteln und gibt damit den Rahmen vor, innerhalb dessen die Ziele liegen.
Formulierung
In Ausbildung und Studium haben sich zwei Werkzeuge verbreitet. Die ICF ordnet ein Ziel einer Ebene zu. Das SMART-Schema verlangt, dass ein Ziel spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert ist. Außerdem wird oft zwischen Grob- oder Fernzielen und Fein- oder Nahzielen unterschieden. Ein Fernziel beschreibt etwa die Rückkehr in den Beruf, Nahziele zerlegen den Weg dorthin in überprüfbare Etappen für die nächsten Behandlungseinheiten. Damit ein Ziel messbar wird, legt die Therapeutin schon bei der Formulierung fest, mit welchem Test, welcher Skala oder welcher Alltagsbeobachtung sie den Stand später erfasst.
| Ebene | Beispiel für eine Zielformulierung |
|---|---|
| Körperfunktion | Beweglichkeit im Kniegelenk, erfasst mit der Neutral-Null-Methode |
| Aktivität | eine Treppe mit Handlauf selbstständig steigen |
| Teilhabe | den Weg zur Arbeit wieder zu Fuß zurücklegen |
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
In der Anlage 1 zur PhysTh-APrV steht die Erstellung des Behandlungsplanes als letzter Punkt im Fach Physiotherapeutische Befund- und Untersuchungstechniken. Die Zielformulierung ist Teil dieses Schritts. Auszubildende üben sie an Fallbeispielen und in der praktischen Ausbildung, wo sie Befund, Ziel und geplante Maßnahmen häufig schriftlich begründen. Eine typische Schwierigkeit am Anfang: Ziele werden aus Sicht der Therapie formuliert, etwa als Kräftigung eines Muskels, statt aus dem Alltag der behandelten Person heraus.
Im Berufsalltag werden Ziele in der Dokumentation festgehalten und bei jedem Wiederbefund überprüft. Ist ein Ziel erreicht, ändert sich die Planung. Wird es verfehlt, sucht die Therapeutin nach Ursachen und prüft Dosierung und Zielhöhe. Gemeinsam vereinbarte Ziele erleichtern die Verständigung mit Patientinnen und Patienten, mit Angehörigen und im Team der Rehabilitation. Ein Therapieziel beschreibt eine Absicht und ist keine Zusage, dass ein bestimmtes Ergebnis eintritt.