Wie läuft das gegenseitige Üben in der Physiotherapie-Ausbildung ab?

Im praktischen Unterricht üben Auszubildende Griffe und Techniken zuerst aneinander, bevor sie in den Einsätzen Patientinnen und Patienten behandeln. Die Lehrkraft zeigt eine Technik vor, danach arbeiten zwei oder drei Personen im Wechsel: Eine behandelt, eine liegt als Probandin oder Proband auf der Liege, eine beobachtet. Wie viel frei gemacht wird, hängt von der Technik ab; meist ist es die Körperregion, an der gerade geübt wird. Wer eine Übung am eigenen Körper nicht möchte oder Beschwerden hat, sagt das vorher der Lehrkraft, und jede Übung lässt sich abbrechen.

Warum im Unterricht aneinander geübt wird

Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung verlangt, dass der Unterricht ausreichend Möglichkeit gibt, praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln und einzuüben (§ 1 Abs. 3 PhysTh-APrV, Rechtsstand Oktober 2026). Dazu gehören Griffe der klassischen Massagetherapie, Techniken der Krankengymnastik und Anwendungen mit Wärme, Wasser oder Strom. Wie das Einüben organisiert wird, legt die Schule fest; üblich ist das Üben aneinander. Die Behandlung von Patientinnen und Patienten ist Teil der praktischen Ausbildung, die nach derselben Vorschrift am Patienten stattfindet.

Auch die praktische Prüfung baut darauf auf. Nach § 14 PhysTh-APrV führen Prüflinge mehrere Behandlungstechniken am Probanden aus und erklären sie. Als Probandin oder Proband erleben Auszubildende außerdem selbst, wie sich ein Griff, ein Druck oder eine Lagerung anfühlt.

So läuft eine Übungseinheit ab

  1. Vorführen: Die Lehrkraft demonstriert die Technik, zum Beispiel an einer Person aus dem Kurs, und erklärt Ausgangsstellung, Griff und Ziel.
  2. Üben in Paaren oder Kleingruppen: An den Behandlungsliegen wird die Technik wiederholt. Die Lehrkraft geht herum und korrigiert Griffe und Haltung.
  3. Rollen tauschen: Wer behandelt hat, legt sich anschließend selbst auf die Liege, damit alle beide Seiten kennenlernen.
  4. Rückmeldung geben: Die behandelte Person sagt, ob Druck und Tempo passen. Wer beobachtet, achtet auf Hand- und Arbeitshaltung der übenden Person.
  5. Festhalten: Bei Befund- und Untersuchungstechniken wird notiert, was am Gegenüber getestet oder gemessen wurde.

Kleidung, Körperkontakt und Grenzen

  • Kleidung: Getragen wird Kleidung, in der man sich auf der Liege frei bewegen kann, etwa Sportkleidung. Für Techniken an Rücken, Schulter oder Bein wird die jeweilige Region frei gemacht, der übrige Körper bleibt mit einem Handtuch bedeckt. Was genau gilt, steht in der Kleiderordnung der Schule. Umkleiden und Sichtschutz lassen sich bei einem Informationstag ansehen.
  • Körperkontakt: Massagegriffe und viele andere Techniken arbeiten direkt auf der Haut. Es hilft, vor jedem Griff kurz anzusagen, wo berührt wird. Wer lieber mit einer bestimmten Person übt, kann das der Lehrkraft sagen.
  • Beschwerden: Akute Schmerzen oder eine frische Verletzung sagt man der Lehrkraft vor der Stunde. Sie kann die Übung anpassen oder die Rollen so verteilen, dass jemand an diesem Tag nur selbst übt. Gegenanzeigen gehören zum Lernstoff, siehe Indikation und Kontraindikation.
  • Schwangerschaft: Für Schülerinnen gilt das Mutterschutzgesetz, soweit die Schule Ort, Zeit und Ablauf des Unterrichts verpflichtend vorgibt (§ 1 Abs. 2 MuSchG). Nach § 15 Abs. 1 MuSchG soll die Schwangerschaft mitgeteilt werden, sobald sie bekannt ist. Danach klärt die Schule, welche Übungen infrage kommen.
  • Grenzverletzungen: Berührungen oder Bemerkungen, die nicht zur Übung gehören, können Auszubildende sofort abbrechen und der Lehrkraft, der Kursleitung oder der Schulleitung melden. Ob es eine benannte Vertrauensperson gibt, lässt sich schon bei der Bewerbung erfragen.
  • Hygiene: Saubere Hände, frische Auflagen auf der Liege und gereinigte Geräte gehören zu jeder Einheit. Hygiene ist zudem ein eigenes Fach der Stundentafel.
  • Fotos und Videos: Bildnisse dürfen nach § 22 KUG nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet oder öffentlich gezeigt werden. Für Aufnahmen, die die Schule anfertigt oder nutzt, gilt zusätzlich die Datenschutz-Grundverordnung.

Wie Unterricht und Einsätze zusammenhängen, erklärt der Beitrag Wie viel Praxis steckt in der Physiotherapie-Ausbildung?. Welche Fächer geübt werden, zeigt der Beitrag zu den Fächern, wie fordernd die Ausbildung insgesamt ist, der Beitrag Ist die Physiotherapie-Ausbildung schwer?. Übungsräume lassen sich an Informationstagen ansehen; Schulen nach Bundesland stehen im Verzeichnis.

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