Der Bachelor of Science Physiotherapie, abgekürzt B. Sc., ist ein akademischer Grad, den Hochschulen nach einem Studium der Physiotherapie verleihen. Er bescheinigt einen ersten Hochschulabschluss mit wissenschaftlicher Ausrichtung. Eine Berufszulassung ist er für sich genommen nicht: Ob Absolventinnen und Absolventen als Physiotherapeutin oder Physiotherapeut arbeiten dürfen, entscheidet die staatliche Prüfung nach dem Berufsgesetz.
Einordnung
Die Berufsbezeichnung ist nach § 1 MPhG geschützt und setzt eine Erlaubnis voraus. Diese erhält nach § 2 MPhG, wer die vorgeschriebene Ausbildung abgeleistet und die staatliche Prüfung bestanden hat und die weiteren Voraussetzungen wie Zuverlässigkeit und Deutschkenntnisse erfüllt. Für die Zulassung zur Versorgung gesetzlich Versicherter verlangt § 124 Absatz 1 SGB V die erforderliche Ausbildung sowie eine Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung oder einen vergleichbaren akademischen Abschluss; Einzelheiten zur GKV-Zulassung klärt die zuständige Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen. Regelstudienzeit und Umfang in ECTS-Punkten legen das Landesrecht und die Studien- und Prüfungsordnung der jeweiligen Hochschule fest. Diese Einordnung gibt den Stand September 2026 wieder und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.
Studienformen
- Primärqualifizierend: Studium einschließlich staatlicher Prüfung an der Hochschule. Grundlage ist seit dem Außerkrafttreten der Modellregelung eine Landesbestimmung nach § 18a MPhG.
- Ausbildungsintegrierend (dual): Berufsfachschule und Hochschule laufen parallel, die staatliche Prüfung wird an der Schule abgelegt.
- Berufsbegleitend oder additiv: Studium nach abgeschlossener Ausbildung, häufig in Teilzeit neben dem Beruf.
Unterschied zur Fachschule
Die Ausbildung an einer Berufsfachschule endet mit der staatlichen Prüfung und der Erlaubnis, aber ohne akademischen Grad. Das Studium ergänzt die Berufsqualifikation um wissenschaftliches Arbeiten, Studienprojekte und eine Bachelorarbeit. Für die Behandlung selbst gelten danach dieselben Regeln: Heilmittel für gesetzlich Versicherte werden auf ärztliche Verordnung nach der Heilmittel-Richtlinie erbracht, gleich ob die behandelnde Person studiert hat oder nicht. Der Bachelor ist formale Voraussetzung für ein Masterstudium; vorgeschrieben ist ein Master für die Berufsausübung in Deutschland nicht.
Inhaltlich decken Studiengänge mit Berufszulassung die Fächer der Stundentafel ab und ergänzen sie um Module zu Forschungsmethoden, Statistik und Clinical Reasoning. Studiengänge ohne Berufszulassung legen den Schwerpunkt stärker auf diese wissenschaftlichen Anteile, weil die praktische Qualifikation dort bereits vorliegt.
Für die Studienwahl ist entscheidend, welche Form ein Studiengang anbietet. Führt er zur staatlichen Prüfung, ersetzt er die Fachschule. Setzt er die Ausbildung voraus, kommt er erst danach infrage. Die Studien- und Prüfungsordnung der Hochschule legt das fest; Studiengänge lassen sich im Hochschulkompass vergleichen.
Ausführlich beantwortet: Physiotherapie: Ausbildung oder Studium?