Ob sich Kosten der Physiotherapie-Ausbildung steuerlich auswirken, hängt vor allem davon ab, ob sie die erste abgeschlossene Berufsausbildung wird. Für eine Erstausbildung außerhalb eines Dienstverhältnisses erlaubt das Einkommensteuergesetz nur den Abzug als Sonderausgaben bis zu einem Höchstbetrag, und das nur bei eigenem Einkommen im selben Jahr. Nach einer abgeschlossenen Erstausbildung können die Kosten Werbungskosten sein. Eltern können einen Teil des Schulgelds einer Schule in freier Trägerschaft geltend machen. Wie der eigene Fall einzuordnen ist, entscheidet das Finanzamt; dieser Beitrag ist keine Steuerberatung.
Erstausbildung oder weitere Ausbildung
Die Unterscheidung steht in § 9 Absatz 6 EStG. Erstausbildung ist dort eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium. Eine Berufsausbildung zählt als Erstausbildung, wenn sie geordnet ist, in Vollzeit mindestens zwölf Monate dauert und mit einer Abschlussprüfung endet; ist keine Prüfung vorgesehen, gilt sie mit der planmäßigen Beendigung als abgeschlossen. Die Tabelle zeigt die drei gesetzlichen Fälle, Stand Oktober 2026:
| Lage | Einordnung | Vorschrift |
|---|---|---|
| Physiotherapie ist die erste Berufsausbildung, kein Dienstverhältnis | Sonderausgaben bis 6.000 Euro im Kalenderjahr (Stand Oktober 2026); Kosten einer auswärtigen Unterbringung zählen dazu | § 10 Absatz 1 Nummer 7 EStG |
| Die Ausbildung findet im Rahmen eines Dienstverhältnisses statt | Werbungskosten | § 9 Absatz 6 Satz 1 EStG |
| Eine Erstausbildung oder ein Studium ist schon abgeschlossen, etwa vor einer Umschulung | Werbungskosten | § 9 Absatz 6 Satz 1 EStG |
Ob eine frühere Ausbildung die Merkmale einer Erstausbildung erfüllt und ob ein Ausbildungsvertrag mit Vergütung als Dienstverhältnis gilt, prüft das Finanzamt. Die Folgen unterscheiden sich: Sonderausgaben mindern nur das Einkommen desselben Jahres und wirken sich ohne eigene Einkünfte nicht aus. Werbungskosten können dagegen einen Verlust ergeben. Ein nicht ausgeglichener Verlust wird nach § 10d Absatz 4 EStG im Veranlagungsverfahren gesondert festgestellt und mit Einkünften anderer Jahre verrechnet (Absätze 1 und 2). Eine Ausbildungsvergütung selbst gehört zu den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG).
Was Eltern geltend machen können
- Schulgeld: Nach § 10 Absatz 1 Nummer 9 EStG sind 30 Prozent des Entgelts für eine Schule in freier Trägerschaft oder eine überwiegend privat finanzierte Schule als Sonderausgaben abziehbar, höchstens 5.000 Euro je Kind und Elternpaar (Stand Oktober 2026). Ausgenommen sind Entgelte für Beherbergung, Betreuung und Verpflegung. Voraussetzung sind ein Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag und eine Schule in der EU oder im EWR, die zu einem staatlich anerkannten oder als gleichwertig anerkannten Berufsabschluss führt oder ordnungsgemäß darauf vorbereitet. Ob eine Schule diese Merkmale erfüllt, prüft das Finanzamt.
- Ausbildungsfreibetrag: Für ein volljähriges Kind in Berufsausbildung, das auswärts untergebracht ist und für das Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag besteht, sieht § 33a Absatz 2 EStG einen Freibetrag von 1.200 Euro je Kalenderjahr vor (Stand Oktober 2026). Für jeden vollen Monat ohne diese Voraussetzungen ermäßigt er sich um ein Zwölftel (§ 33a Absatz 3 EStG). Jedem Elternteil steht grundsätzlich die Hälfte zu.
Die Höchstbeträge stehen im Einkommensteuergesetz in der Fassung der Änderung vom 29. Juni 2026, abgerufen am 2. Oktober 2026 auf gesetze-im-internet.de. Beträge ändern sich mit Gesetzesänderungen; maßgeblich ist das Gesetz für das jeweilige Steuerjahr.
Wer im Einzelfall Auskunft gibt
Wie Ausgaben berücksichtigt werden, legt das Finanzamt im Steuerbescheid fest. Fragen zum eigenen Fall beantworten Steuerberaterinnen und Steuerberater. Lohnsteuerhilfevereine dürfen ihren Mitgliedern bei der Einkommensteuer helfen, wenn diese unter anderem Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit haben und weder Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbständiger Arbeit noch umsatzsteuerpflichtige Umsätze; die Grenzen stehen in § 4 StBerG. Dieser Beitrag beschreibt die gesetzlichen Regeln und ersetzt keine Steuerberatung.
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